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Englische Redner des achtzehnten Jahrhunderts [Fortsetzung siehe "Die Grenzboten" 1895, 53. Jg., 3. Vierteljahr]
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Englische Redner des achtzehnten Jahrhunderts

von Adolf philippi

ie öffentliche Rede als Kunstwerk hat in unserm Leben keine Stelle mehr. Ihre Hauptform würde die Parlamentsredc sein. Warum diese jetzt nicht mehr auf irgendwelcher Höhe steht, das mag zunächst in der drängenden Hast von einem Tage zum andern seinen Grund haben, die unser ganzes öffentliches Leben beherrscht und auch unsre Zeitungen immer mehr verschlechtert hat. Früher gab es noch einzelne Abgeordnete, die auf die Form ihrer Reden Wert legten, wie Waldcck oder Sybel. Sonst wird man in uusrer Zeit nicht leicht mehr den Eindruck gehabt haben, daß man einem Kunstwerk gegenüber stehe. Bis- marcks große Reden sind Äußerungen einer gewaltigen Natur, denen man keine weitere Kunst wünschen möchte. Sie stehen, so zu sagen, außerhalb aller Theorie. Charakteristisch war die Ausdrucksweise Windthorsts. Sie kam, ab­gesehen von manchen entstellenden Zuthaten des juristischen Jargons, einem Kunstwerk nahe, hatte wenigstens fast immer etwas von einer bestimmten Art an sich, einen Stil. Und Hiernut ist für die übrigen genng gesagt. In diesen modernen Reden überwiegt das Sachliche, es herrscht das Tägliche, auf den Stil kommt es nicht mehr an.

Freunde der deutscheu Sprache und einer angenehmen Mitteilungsweije wollen nun überhaupt die Beobachtung gemacht haben, daß in Deutschland, dem Lande, wo so ungeheuer viel geredet wird, die Gabe der guten, schönen oder geschmackvollen Ausdrucksweise verhältnismäßig selten sei, was andre wieder dahin verallgemeinern, daß sie sagen:Schreiben uud sprechen lernt man auf unsern höhern Schulen nicht," und dabei vor allem auch an unsre vielen Tagesschriftsteller denken.

In Rom uud in den griechischen Stadtrepublikeu war bekanntlich die Kuustrede eine stehende Gattung der Litteratur und zugleich eine anerkannte Macht des öffentlichen Lebens. Man hat sich im spätern Laufe "der Geschichte an verschiednen Orten dieser Erscheinung erinnert, und zwar nicht nur in äußer­lichen Dingen, wie wenn man etwa die Redner solcher Zeiten mit Demvsthenes oder Cicero verglich. Sondern auch in ernsthafter Weise haben die Menschen darüber nachgedacht, warum diese Kunst verschwunden sei, uud ob man sie