Der fünfte sozialdemokratische Parteitag
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objektiver Wahrheiten, sondern in der wahrheitsuchenden Deukkrcist besteht die Kultur. Und da sollen wir uns bei der Erörterung von Fragen, die uns auf die Nägel brennen, und von deren glücklicher Lösung die Zukunft unsers Volks abhängt, durch eiu System von Fallen und Schlingen beengen lassen, sollen genötigt sein, jedes Wort zehnmal herumzudrehen, jeden Gedanken, den wir aussprcchen, zu verklausuliren uud zu verschuörkeln, damit nicht ein dummer Denunziant eine Majestäts- oder Beamten- oder Fabrikantenbeleidigung oder Aufreizung zum Klassenhaß herausdiftele? Und da sollen wir die Ergebnisse unsers Nachdenkens und Forschens in Folianten niederlegen, die niemand liest, anstatt sie ins Volk zu werfen? Deutsche wollen wir sein? Byzantiner sind wir, Chinesen sind wir! Und das Geschick von Byzcmz und China ist uns gewiß, wenn sich unser Volk nicht aufrafft.
Der sogenannte Kampf gegen den Umsturz ist weiter nichts als ein Akt des uralten Kampfes der bs-iti xossiclöutss gegen die Vernunft und Gerechtigkeit, die zeitgemäße Änderungen fordern. Das ist die allgemeine Bedeutung der Umsturzvorlage. Schluß folgt)
Der fünfte sozialdemokratische Parteitag
cirteitage und Generalversammlungen von Aktiengesellschaften haben in Zeiten günstiger Konjunktur gewöhnlich wenig zu bedeuten. In den schönen Sommermonaten, wenn das Reisen eine Lust ist, kommen an einem Orte Mitteldeutschlands etwa hundert bis zweihundert Abgeordnete zusammen, lauschen den Reden der Parteiaufsichtsräte und beschließen, wie die bewährten Leiter vorschlagen. Bei einem festlichen Mahle stellt sich die übliche Begeisterung ein, die sich in schönen Reden ans die Zukunft und in Absendung von Telegrammen Luft macht. Parteitage sind mehr oder minder geschickt veranstaltete Schauspiele für Pottasche Kinder, die noch an das Märchen glauben, daß die berühmten „großen Reden" im Reichstage die Geschicke Deutschlands bestimmen, Schauspiele, in denen die Parteigrößen zweiten und dritten Ranges Rollen und Röllchen zu lhrer und zu allgemeiner Befriedigung erhalten.
„Jede Partei kennt man an ihrem Kongreß." Jede hat ihren eignen Sittenlvdex für die Verhandlungen — das Ergebnis eines Kvmpromiffes Zwischen den sozialen Gewohnheiten der Parteigenossen und den notwendigen parlamentarischen Gebräuchen. Die Leiter der bürgerlichen Parteien sind entweder angesehene Lente, die die Parteipolitik als einen manchmal recht be-
Grenzovten IV 1394 69