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Die Lehrerinnenfrage in Preußen
und einem Gesicht, dessen obere Hälfte mulattenbraun war, während die untere, mit dichten Bartstoppeln besetzt, beinahe schwarz erschien. Als er in der Thür sichtbar wurde, flüsterte mein Nachbar: Hurrjeh, das ist wohl gar der Herr von Mopsvestia (ein Bischof Theodor von Mopsvestia spielte in der uns so verhaßten Ketzergeschichte eine Rolle). Baltzer stellte sich uns vor, und nachdem wir unsre Dogmntik heruntergehaspelt hatten, hielt er eine längere Ansprache, die mich begeisterte und in freudige Erregung versetzte. Sie übte auf dieser höhern Stufe dieselbe Wirkung aus, die ich auf einer niedern vom Chef erfahren hatte, sie flößte Sicherheit ein.*) Nun bin ich aufs neue überzeugt, sagte ich nach Schluß der Visitation zu meinem Nachbar, daß der Katholizismus der Inbegriff der Wahrheit ist, und ich gehe mit freudiger Zuversicht ans theologische Studium.
Die Lehrerinnenfrage in Preußen
(Schluß)
it deu Vorteilen der neuen Bestimmung verbinden sich für die Lehrerinnen freilich auch manche Nachteile. Der eine liegt schon darin, daß die Mittelschullehrer, die im großen und ganzen dasselbe Examen gemacht haben wie die Lehrerinnen auf dem Seminar, auch ohne wissenschaftliche Prüfung in Oberlehrerstelleu rücken und auch ohne wissenschaftliche Studien Direktor werden können. Man sieht, die Logik in dem Erlaß ist nicht sehr stark. Der zweite Nachteil ist der, daß die Regierung zwar eine zweite, fachwissenschaftliche Prüfling angeordnet hat, es aber deu Lehrerinnen überläßt, sich selbst die Kenntnisse und Fähigkeiten dazu anzueignen.
Die Prüfung soll in zwei Gegenständen stattfinden. Der erste kann sein: Religion, Deutsch, Französisch, Englisch; der zweite: Geschichte, Geographie, mathematische Wissenschaften, Naturwissenschaften. Die wissenschaftliche Prüfung, heißt es in Z 5 der Ordnung, soll zeigen, daß die Bewerberin auf Grundlage der in der ersten Prüfung nachgewiesenen Kenntnisse sich fortgebildet und die Befähigung erworben hat, in wissenschaftlicher Weise selbständig weiterzuarbeiten. Wenn man sich überlegt, was alles in diesem letzten Satze steckt, so muß man
*) Mit mitleidiger Verachtung that er unter anderm die armseligen Wichte ab, die mit großem Geschrei zuerst deu Altar, dann den Thron umzustürzen unternähmen, znletzt aber, wenn es zum Schlagen käme, sich unters Spritzleder verkröchen und sich von der Frau über die Grenze kutschiren ließen.