Schwarzes Bret
Der verbesserte Browning. Friedrich Spielhagen hat in einen neuen Roman eine von Robert Brownings „Dramatischen Romanzen": In a Fonäola, eingcflochlen. Browning bereitet der Übersetzung in eine andre Sprache gewiß große Schwierigkeilen, und man darf sich daher über einzelne Freiheiten und Härten nicht aufhalten, wenn es auch nicht gerade notwendig gewesen wäre, Berlinisch für Deutsch auszugeben, wie z. B. „Du priest" anstatt Du Priesest. Die Zensur aber, die Spielhagen an einer Strophe geübt hat, ist zu charakteristisch und ergötzlich, als daß wir unsre Leser nicht on dem Genuß teilnehmen lassen sollten. Bei ihm singt nämlich der Liebende:
Wüßte gern, was wir sind!
Ich trag dich geschwind
Durch endlose Weiten im Sturmeswind
Zu dem Fest meines Clans,
Wo sie leben des Wahns,
Der Teufel, er plagt sie. Beim Kräheu des Hahns Mnß er trinken dein . . . Teufel! so laß mich in Ruh! Ich bin wieder ich; du bist du. Und wie lautet das Original?
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?Iis . . . Lv^ttsr tds vision ior ovsr! ^uä nov ok olä, I aro I, tlion -trt tdon! Also: „Ich bin ein Jude und trage dich weiter, als deine Freunde zu folgen vermöchten, zum Fest meiner Leute, die deiner bedürfen, um den Teufel zu beschwören, der sie Plagt, bis «r zu trinken bekommt dein , . ." Das Wort Blut wird nicht ausgesprochen, aber es ist auch nicht nötig. Ist es nun nicht rührend, wie der Übersetzer den Dichter vor der Gefahr behütet, bei den Deutschen, von denen nnr die wenigsten das Original in die Hände bekommen werden, in den Geruch eines Antisemiten zu kommen? Die Engländer verabscheuen bekanntlich den Antisemitismus, aber — nur bei andern Völkern. Bon ihrer doppelten Buchführung w poliriois brauchen die Deutschen überhaupt nichts zu wissen.
In dem Leitartikel des Breslauer Generalanzeigers vom 30. November heißt es: „Fort ging es, dahin, wo es keine Rettung mehr gab. Nicht wie der Ruf der römischen Gladiatoren: Die Sterbeuden grüßen dich, Cäsar! sondern wie das Röcheln der toten Seelen Goguls(!) klang der Sterbegesang jener lebendig Bcgrabnen, die verdammt waren, ihre letzten Seufzer in Sibirien auszuhauchen."
Ob der geniale Zeitungsschreiber wohl schon einmal eine tote Seele hat röcheln hören? Und ob er wohl von Gogols Roman eine Zeile mehr als den Titel gelesen hat?
Recht gemütlich drückt sich das Amtsgericht in Freiberg in Sachsen aus. In der Leipziger Zeitung vom 27. November macht es bekannt: „Das Verfahren zur Zwangsversteigerung des Anna 'nBertha 'n verehel. Schmidt geb. Leißring, dem Barbierstubeninhaber Alexander Carl Max Leißriug, dem frühern Barbiergehilfen, jetzigen Kohlenhändler Heinrich Carl Fried-