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Johanna von Bismarck
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

zum Hause gehöre. Ihr ruhiges, freundliches Auge und der tiefe Ton ihrer Stimme füllten das Haus mit Glanz und Wärme. Was sie dem Gemahl war und was er ihr war, das verbargen beide nicht, und jeder, der sie zusammen sah, nahm es wahr; für alle ergiebt es sich aus den Briefen des Fürsten.

Wie er es ertragen wird, sie für immer zu entbehren und ihre Gestalt nicht mehr zu sehen, ihre Stimme nicht mehr zu hören, ihre alltägliche und allstündliche Fürsorge nicht mehr zu empfinden, wer vermag es zu sagen! Aber ihm die innigste Teilnahme auszusprechen an dem Verluste, der für einen Greis der schwerste ist, das mag auch diesen Blättern erlaubt sein, die ihm immer treu geblieben sind!

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Mehr Ehrlichkeit! In den letzten Tagen jammerten die Zeitungen wieder einmal über die Zerfahrenheit der offiziösen Presse. Wir beklagen nur die Zer­fahrenheit der Negierimg, an der offiziösen Presse aber bedauern wir nicht ihre Zerfahrenheit, sondern ihre Existenz. Blätter, die für offiziös gelten oder gelten wollen das war der Anlaß zum jüngsten Spektakel, hatten verkündigt, die Regierung werde dem Reichstage zunächst nur das Maulkorbgesetz und erst nach Neujahr den Etat vorlegen, und nachdem dieses Arbeitsprogramm vierzehn Tage hindurch in der Presse aufs heftigste bekämpft worden war, erklärten die Nord­deutsche Allgemeine und der Reichsanzeiger jene Nachricht für falsch. Wir habe» nicht die geringste Fühlung mit den leitenden Kreisen und können über das, was hinter den Kulissen vorgeht, vermuten, was uns beliebt. Unter einem Dutzend möglicher Annahmen halten wir die folgende für die wahrscheinlichste. Dem Reichs­kanzler liegt nichts an einemUmsturz"gesetz; er hat sich nur deswegen entschlossen, Caprivis Entwurf vorzulegen, weil das Ansehn der Regierung leiden könnte, wenn zu guterletzt herauskäme, daß in dem Pudel, der vier Monate lang gebellt hatte und gleich anfangs zum Nilpferd angeschwollen war, gar kein Kern gesteckt hat.*) Einem andern Minister aber, oder der Partei, der er freundlich gesinnt ist, liegt sehr viel an diesem Unglücksgesetz; er fürchtet, daß es bei der Etatsberatung zu Zerwürfnissen zwischen der Negierung und dem Zentrum, sowie den Konservativen kommen könnte, und daß dann diese beiden Parteien für seine Zwecke nicht mehr zu haben sein würden. Deshalb möchte er das Umsturzgesetz vor der Etats­beratung durchdrücken und verbreitet in der Presse das, was er erstrebt, als eine vollendete Thatsache. In diesem Falle hätte also das Preßmanöver den Zweck ver-

Andre gehen sogar noch weiter; so vernahmen wir dieser Tage folgende Hypothese. Die Minister und die Reichstagsabgevrdneten sind viel zu vernünftige Leute, als daß sie weitere Freiheitsbeschränkungen für notwendig oder nützlich halten sollten. Nur ein kleines Häuflein verlangt und schreit darnach; aber da die Schreier leider sehr einflußreiche Männer sind, so will die Regierung, um ihnen den Mund zu stopfen, dem Reichstag einen unannehm­baren Entwurf vorlegen, dessen Ablehnung im voraus feststeht.