Zur Verfassungsgeschichte des Reichslandes
n dem letzten Augusthefte der Deutschen Revue hat Herr von Poschinger Erinnerungen des ehemaligen Reichstagsabgeord- »eten und Direktors des Elsüsser Journals, des nunmehrigen Generalkonsuls K. Angust Schneegans über die Bestrebungen veröffentlicht, aus dem Reichslande ein „Kaiserland" oder ein „Kronprinzenland" zu machen. Diese Mitteilungen haben in der Straßburger Post und in den Hamburger Nachrichten erläuternde oder ergänzende Zusätze hervorgerufen, die vielfach als Berichtigungen aufgefaßt wurden. Bald darauf erschienen die „Erinnerungen eines preußischen Beamten," des ehemaligen Ober- Präsidenten A. Ernst von Ernsthausen, worin diese Episode der reichsländischen Geschichte wieder in ganz andrer Beleuchtung geschildert wird. Und in jüngster Zeit hat Geheimrat H. Geffken in der Wiener Wochenschrift „Die Zeit" Erinnerungen über seine Beteiligung an den Angelegenheiten des Reichslandes veröffentlicht, wobei auch der Plan des Kaiserlandes Erwähnung gefunden hat. So haben wir in kurzer Zeit von fünf Seiten Mitteilungen über diese Angelegenheit erhalten, die weder unter sich ganz in Einklang zu bringen sind, noch mit den Berichten der Tagesblätter nnd mit den amtlichen Bekanntmachungen einer Zeit, die doch nur etwa sechzehn Jahre hinter uns liegt.
Nun hat zwar diese Angelegenheit an sich kein recht „aktuelles" Interesse mehr, da die jüngsten Ereignisse gezeigt haben, daß die Statthalterschaft des Kaisers in Elsaß-Lothringen, der dort einen Vertreter ernennen kann (Gesetz vom 4. Juli 1879), längst als eine feste Einrichtung betrachtet wird, und da andrerseits die früher bei jeder Gelegenheit im Neichslande selbst vorgetragnen Wünsche, daß dein Reichslande die volle Gleichstellung mit den andern Bnndes- staaten gewährt werden möchte, seit Jahren verstummt sind. Der Plan des „Kaiserlandes" gehört der Vergangenheit an. Aber der Gedanke, Elsaß- Grenzboten IV 1894 SS