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Die Arbeitsfrage in Frauenwelt
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Die Arbeitsfrage in der Frauenwelt

an hat behauptet, es gebe in unserm Volke Kreise, wo das weib­liche Geschlecht noch unberührt geblieben sei von der Vergnügungs­sucht. Leider trifft das nicht zu; auch auf dem Lande regt sie sich mit erschreckender Deutlichkeit. Wie könnte es auch anders sein! In der heutigen Welt ist durch die Verkehrsmittel der Zu­sammenhang so innig geworden, daß von den Mittelpunkten des Volkslebens aus jede ueue Geistesrichtung wie jede Mode leicht und rasch Verbreitung findet. Verfallen in der Hauptstadt die Fräulein darauf, ihre unbegrenzten Mußestunden mit Herstellung künstlicher Blumen auszufüllen, so dreht sicher nach einem Vierteljahre in der entlegensten Kleinstadt die Tochter des Sub- alternbemuteu ebenfalls Buntpapier zu Blumen. Und diese Geineinschaft be­steht nicht erst seit gestern. „Ach! sagte schon vor zwei Jahrzehnten zu mir eine schlichte Arbeiterfrau auf dem Lande, als sich eben das Grab über einem juugeu Mädchen schloß, es ist doch ein Trost, daß sie ihre Jugend recht ge­nossen hat, noch letzten Winter ist sie viel zu Tanze gewesen!" Doch gehts auch vhue Tanz. Auch in Kreisen, wo man Wert darauf legt, daß die Tochter keine Bälle besucht, macht sich die Vergnügungslust mächtig geltend. Giebt es doch noch viele andre Dinge, die zur Verfügung bleiben; selbst Gottes­dienste und kirchliche Feste lassen sich von einer Seite nehmen, daß sie als augenehme Zerstreuung dienen können. Etwas aber muß es täglich geben; einen ganzen langen Tag allein in häuslicher Stille zuzubringen wäre für solch ein modernes weibliches Gemüt unerträglich. Und man sei nnr billig in seinem Urteile. Wenn es einmal für ein junges Mädchen zur feinen Sitte gehört, „nichts zu machen," das heißt, sich mühevoller Arbeit zu entschlagen, sich ernsten häuslichen Verpflichtungen fernzuhalten, so bleibt ihr doch wirklich nichts weiter übrig, als das Leben mit allerhand Nichtigkeiten auszufüllen. Etwas muß der Meusch doch treiben, auch der Müßiggänger braucht seine Beschäftigung. Darum sind Besuche, Kaffeekränzchen, Theeabende, Vorlesungen, Bälle und was dergleichen mehr ist, durchaus in dem Maße nötig, daß es an jedem Tage wenigstens etwas davon giebt. Natürlich sind die Bälle das glänzendste, bezauberndste. Daß aber das „Nichtsmachen" das Ideal der Frauenwelt bildet, hier das ersehnte und erstrebte, dort (o Plato, das hättest

Grenzboten IV 1894 53