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Vom Romanmarkt und Novellenbörse. 2
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Der Uanzlerwechsel

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die modernes Leben, jüngstes, allerjüngstes Leben behandeln, so läßt sich eine entschiedn? Abnahme ihrer Zahl feststellen. Das wäre nun ja an sich höchst erfreulich, wenn sich die übrigbleibenden Leistungen dieser Gattung als um so lebenskräftiger, künstlerisch wertvoller erwiesen. Da dies nicht der Fall ist, so können wir die Liebhaber des historischen Romans nur damit trösten, daß es ganze Reihen guter älterer Schöpfungen giebt, die man freilich suchen muß, weil sie eben nicht von heute und gestern sind, und weil wir es beinahe so weit gebracht haben, daß eine gewisse Art von moderner Bildung sich schämt, auch das beste Buch zur Hand zu nehmen, wenn es nicht frisch vom Markte kommt.

Der Kanzlerwechsel

er Sturz des Grafen Caprivi denn ein solcher ist es offen­bar hat alle Welt überrascht. Am Anfang der Woche hatte er noch über seinen entschiedensten Gegner gesiegt, und noch vor ihrem Ende war er außer Amt. Wir können daher nicht glauben, daß die Frage, wie man denUmsturzparteien" entgegentreten müsse, seine Entlassung herbeigeführt hat, und halten daher auch die Befürch­tung, es könne auf seinen Rücktritt eine sogenannte reaktionäre Wendung folgen, nicht für begründet. Stünde eine solche bevor, so würde er feinen Abschied, den er, wie es heißt, schon nachgesucht hatte, bereits am Dienstag erhalten haben. Auch Fürst Bismarck ist nicht wegen der sozialen Frage gefallen, obwohl diese den letzten Anstoß gegeben hat, sondern aus andern, tiefern Gründen, auf die hier weiter nicht einzugehen ist. Solche liegen offenbar auch hier vor, nur daß sie ganz andrer Art sind als bei Fürst Bismarck. Graf Caprivi hat seine Erfolge und seine Verdienste gehabt. Er hat, was wenigstens in vieler Augen ein Verdienst ist, die Handelsverträge durchgesetzt und die Heeresreorganisation gedeckt; er hat und das ist vielleicht das beste trotz aller Angstrufe der bürgerlichen Parteien auf jede Gewaltmaßregel gegen die Sozialdemvkratie verzichtet und, statt durch neue Zwangsgesetze aus ihren Führern Märtyrer zu machen, die Bewegung sich selbst überlassen, ohne daß sie dadurch irgendwie gefährlicher geworden wäre. Aber ein großer Staatsmann ist er nicht ge­wesen. Er hat weder den Pulsschlag der Nation recht gefühlt, noch hat er jemals eine Spur von nationalein Schwünge verraten; er trat für nationale Dinge immer nur mit der Wärme ein, die ihm sein Amt zur Pflicht machte, und er konnte zuweilen wohl heftig werden, aber er wurde niemals warmund