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Vom Romanmarkt und Novellenbörse. 2
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Vom Romanmarkt und der Novellenbörse

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ehen wir heute einen Schritt weiter im Marktgewühl, zum Stand der historischen Romane, die vor Zeiten die Haupt­anziehungskraft übten uud zur Zeit noch bei dem Teile des Publikums beliebt sind, der von der herrschenden Laune der Kritik unabhängig bleibt, ja selbst wirklichen kritischen Erkennt­nissen nur langsam zugänglich ist, so treffen wir auf die denkbar bunteste Mannichfaltigkeit der Leistungen. Ihr gemeinsames Kennzeichen bleibt aber doch, daß keine zu wirklich künstlerischem Wert gesteigert wird. Ein weit verbreiteter Irrtum nimmt au, daß diese Steigerung im historischen Roman gewissermaßen leichter sei als in dem Weltbild aus der Gegenwart, und über­sieht, daß wohl in der Weise der französischen Dramatiker, die um der „Würde" willen ihre Stoffe in der Vergangenheit der Antike oder in der Ferne des Orients suchten, die historische Erzählung in der Form, im Vortrag leichter den Schein des Gerundeten, in sich Geschlossenen erlangt, daß aber dafür die wahrhafte Belebung, die Umwandlung toten Materials in Leben und Gestalt gegenüber dem historischen Stoff unendlich viel schwieriger ist als gegenüber dem unmittelbar angeschauten. Freilich unter hundert Romanschriftstellern ist immer erst einer, der überhaupt die Forderung an sich stellt, einen Stoff der Vergangenheit von innen heraus und bis in jede Einzelheit zn beleben, die Mehrzahl giebt es wohlfeiler nnd stellt ihr Publikum mit kolorirten Bilder­bogen oft genug nicht einmal Münchner, sondern Neurnppiner Fabrik zu­frieden. Und auch von manchen, die Höheres wollen, läßt sich nicht eben behaupten, daß ihr Wollen zum Ziele geführt habe.

Wie entschieden das Publikum am historischen Roman festhält, der seinen besondern Bedürfnissen und Neigungen entspricht, das beweist die große Ver­breitung, die eine so seltsame Erfindung wie der historische Roman Der deutsche Michael von dem verstorbnen A. E. Brachvogel (Berlin, 1895, Otto Zanke) gefunden hat und noch immer findet. Die dritte Auflage dieses BucheS, die uns vorliegt, kann nur deu alten Eindruck erneuern, daß in Brachvogel eine kräftige Phantasie und ein entschlossenes, frisches Erzählertalent