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Schwarzes Bret
Meyerscheu Konversationslexikons müssen ihn darüber aufgeklärt haben, was für eigentümlich stolze Spanier unter diesem TonküuftlervMchen vorkommen. Der Verfasser dieser Anzeige hat handschriftliche Autobiographien unter den Händen gehabt, in denen ein Violinvirtuos, der es gar nicht einmal nötig hatte, sich einfach „den größten Geiger seit Pagnnini" nannte; ein andrer, ein Cellist, sezirte selbst das innerste Wesen seiner Kuustleistnngeu, um sich zu überzeugen, daß sie unvergleichlich seien. Vorüber, ihr Schafe, vorüber!
Bei den gewöhnlichen Sterblichen, die keine Gelegenheit haben oder ergreifen, sich in Zeitungen über musikalische Tagesfrageu, wie z. B. die iu endloser Klärung begriffne Phrasirungslehre Riemnnns zu äußern, ist dem authentischen Material viel weniger Gewicht beigelegt worden. Dafür spricht die Menge falscher Angaben, die dein Referenten in feinern Bekanntenkreis entgegengetreten sind, namentlich in Bezug auf die Stellung, die die Personen einnehmen. Wenn ein Lexikon z. B. einen Dirigenten, der die Dreyßigsche Singakademie leitet, an den Dresdner Lehrergesangverein versetzt, wenn ein Grazer Gesangverein mit dem Steiermärrischen Musikverein verwechselt, wenn ein Privatschüler Hauptmanns dem Leipziger Konservatorium zugeschrieben, eiu Orgelkompvnist als Orgelvirtuos aufgeführt wird, ein andrer Musiker Stellungeu, die er sich selbst erworben hat, seinem Vorgänger abnimmt, so sind das vom Staudpunkte der Weltgeschichte alles Kleinigkeiteil, die nicht der Rede wert erscheinen. Aber in den musikalischen Kreisen bilden sie eine recht hübsche Unterlage zn Briefen, die ans falsche Ziel kommen, zu Mißverständnissen, Zerwürfnissen, Streitereien und sür spätere Geschichtschreiber den Keim zu eiuem ganzen Rattenkönig von Irrtümern.
Auch in den Litteraturangaben steht die vierte Auflage hinter den ersten zurück. Als Stichproben nennen wir Thoinan uud Breitkopf. Wir hoffe» in einer fünften Auflage der Bescheidenheit uud Genauigkeit wieder zu begegnen, die den Erfolg der ersten entschieden hat. Sonst dürften in unsrer Zeit begehrlicher Buchmacherei die Tage des Riemaunschen Lexikons gezählt sein.
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Wer sich wieder einmal zu Gemüte sichren will, was das Kaufmanns- und Zeitungsdeutsch in der Verhunzung unsrer lieben Sprache bereits leistet, dem ist der Aufsatz: „Der Konsnm feiner Weine und der ILWer Jahrgang" in der Frankfurter Zeitung (Wochenblatt Nr. 41 vom 14. Oktober d. I.) dringend zu empfehlen. Vieles muß mau sich freilich erst ins Deutsche (auch aus dein Deutschen) übersetzen. Was ist z. B. hoch entwickelter Qualitätsbau? Was ist ein hochbeeigenschafteter Wein? Was sind unter den Weinen die größten Reüssiten? Was ist eine Chance für eine edle oder hochfeine Kreszenz? Was ist unter den Weiueu ein schmelziges Produkt? Was ist ein Hochgewächs? Ja ja, der Landsmann der Frankfurter Zeitung, Borne, hatte Recht mit der Behauptung, das deutsche Volk „erhöhe" alles; hoch beeigenschaftet ist jedenfalls sehr gut.
Und in der folgenden Nummer (42 vom 21. Oktober) findet sich ein fo schönes Exemplar des Plural-s, daß es ebenfalls hier angenagelt zn werden verdient: es ist dort von den „Heißsporns" die Rede, die wie „verschiedenenorts," so auch iu Württemberg sich den Zentrums- lenten, als Führer aufdrängen. Es wäre doch zu raten, das hübsche s zuerst den Fremdwörtern und erst später deutschen Wörtern anzuhängen, im öffentlichen Leben z. B. erst von Ministers, Assessors neben Lentnants zu sprechen — wie ja die „Herren Studireuden" auch schon ganz allgemein von Collegs reden — und dann erst allmählich zu Kanzlers, Rats und Schreibers, Hauptmanns und Obersts fortzuschreiten.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Gruuow in Leipzig Verlag von Nr, Wily. Grnnow in Leipzig. — Druck vvu Carl Marquart iu Leipzig