Kompensationen
m fernen Ostasien ist ein Krieg nusgebrvchen, der zn den merkwürdigsten aller Zeiten gehört und deshalb auch in Europa die lebhafteste Aufmerksamkeit erregt, obwohl er bei den großen Entfernungen und den mangelhaften Verkehrs- und Verpflegungsverhältnissen nicht in so raschen Schlägen verläuft, wie wir es in Europa während der letzten Jahrzehnte erlebt haben. Zum erstenmale seit 1866 stehen sich wieder moderne Panzerflvtten gegenüber, deren praktische Erprobung in Europa bisher zum Glück noch nicht möglich gewesen ist, und alle die modernsten Schntz- und Zerstöruugsmittel, mit denen heute Seekämpfe geführt werden, sind in voller Thätigkeit gegeneinander, da hier die Herrschaft über die See auch für den Ansgang des Krieges entscheidend sein wird. Aber dieses mehr technische Interesse ist nicht das wichtigste. Bei weitem schwerer fällt in die Wagschale, daß hier zwei alte, eigentümliche Kulturen einander gegenüberstehen, in China die vieltansendjährige Zivilisation, die bisher nnr einige wenige Äußerlichkeiten mehr technischer Art von Europa angenommen hat, sonst aber in stolzer oder auch hochmütiger Geringschätzung alles Fremden ganz unverändert geblieben ist, in Japan eine etwas jüngere, wesentlich von China ausgegangue Kultur, aber ein beweglicheres Volk, das in erstaunlich kurzer Zeit, etwa in einem Menschenalter, nachdem es vor noch nicht dreißig Jahren — 1868 - - die zweihnndertjährige, ans Usurpation beruhende Gewalt des Großkroufeldherrn (Taikun, Siogun) beseitigt und die alte Alleinherrschaft des Mikado wiederhergestellt hat, den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit vollzogen hat, und zwar durch bewußte und planmäßige Aneignung europäischer Kulturelemente nicht nur in Heerwesen und Marine, sondern auch im Staatsleben und in der Wissenschaft, ohne daß es doch dabei sein inneres Wesen preisgegeben Hütte, ein Vorgang, der in der ganzen Geschichte wohl ohne Vei- Grenzlwteu IV 1894 25