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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Mitten im Umsturz. Daß Europa in der Umwälzung, die unsre Staats- erhnltenden noch immer für etwas zukünftiges und abzuwehrendes ansehen, schon lange driu steckt, davon haben sich dieser Tage alle Leute, die Augeu haben, wieder einmal durch einen Blick auf Belgien überzeugen können; die dortigen Wahlen darf man Wohl als den endgiltigen Schlnß der liberalen Periode ansehen, die, nicht bloß für Belgien, mit dem Jahre 1830 begonnen hat. Und die Zahl der Leute, die Augen haben, ist in erfreulicher Zunahme begriffen; während die erste große Niederlage der belgischen Liberalen vor zehn Jahren noch in der ganzen deutschen Presse, niit Ausnahme der ultramontanen, als ein vorübergehender Erfolg von Pfaffenränken behandelt wurde, werden heute die wirklichen und natürlichen Ursachen des Sturzes der liberalen Bonrgcoisherrschaft ziemlich allgemein anerkannt und offen eingestanden. Wenn der Staat die Organisation eines Volkes ist, so ist mit dieser Erklärung schon die Notwendigkeit für ihn ausgesprocheu, sich der sozialen Struktur des Volkes anzupassen und sich mit dieser beständig zu wandeln. Von dem Grade der allgemeinen Einsicht der Herrschenden in diese Notwendigkeit und der besondern Einsicht in den jeweiligen Stand des Umwandlungsprvzesses hängt ihr Schicksal und das ihrer Völker ab. Vor sechzig Jahren war die Zahl der Besitzlosen im Verhältnis zn den Besitzenden und waren die Vermögensuntcr- schiede nicht so groß wie heute, uud der industrielle Aufschwung gestaltete die Aus­sichten der Lohnarbeiter bis in die fünfziger nnd sechziger Jahre hinein immer glänzender. Unter diesen Umständen konnte die Bourgeoisie mit ihrer Predigt von der Verderblichkeit einer Religion, die den Blick auf das Jenseits lenke und von energischen Anstrengnngen zur verständigen und glücklichen Gestaltung des Diesseits abhalte, bei den Massen Erfolg haben. Der Gang der Dinge in den letzten zwanzig Jahren hat nun die Verheißungen dieser Predigt zu Schanden gemacht; die Völker haben sich davon überzeugt, daß die Bourgeoisie teils nicht imstande, teils nicht willens ist, die Massen zu beglücken; soweit der gemeine Mann noch gläubig ist, versucht er es noch einmal mit der geistlichen Führung, und soweit er es nicht mehr ist, nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand. Zwar war gerade in Belgien die Bourgeoisie so vorsichtig gewesen, etwaigen Emanzipationsversnchen der Massen durch eiue Wahlordnung vorzubeugen, die ihr die Herrschaft sicherte, aber ihre klerikale Hälfte bewies doch noch größere Vorsicht, indem sie außerdem noch das kirchliche Gängelband zn Hilfe nahm, und zuguterlctzt auch bessere Einsicht in die Forderungen der Gegenwart, indem sie den Ansprüchen der Arbeiter nicht solche Hartnäckigkeit entgegensetzte wie ihre liberalen Gegner. Von der Wirkungskraft des ersten Mittels und von der Bereitwilligkeit, das zweite auch in Zukunft noch weiter anzuwenden, wird die Dauer der klerikalen Regierung abhängen.

Bei den Stichwahlen hatten die belgischen Liberalen die Wahl, ob sie die streitigen Mandate preisgeben, oder sie mit Hilfe der Klerikalen oder der Sozia­listen behaupten wollten; die Doktrinäre haben sich für das erste, die Radikalen für das letzte entschieden. In diesem einzelnen Falle spiegelt sich die Lage der ganzen europäischen Bourgeoisie; sie steht vor der Entscheidung, ob sie auf poli­tischen Einfluß ganz verzichten, oder ob sie den Einfluß, auf den ihr Bildung und Besitz einen gerechten Anspruch geben, mit Hilfe des gläubigen oder ungläubigen Teiles der Massen behaupten, ob sie vor denPfaffeu" oder vor denProle­tariern" kapitnliren will.