Bachs Grab
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n Leipzig wird jetzt eine neue Kirche gebaut. Das ist an sich nichts besondres, denn es sind in der letzten Zeit viel neue Kirchen in Leipzig gebaut worden. In diesem Fall ist es aber doch etwas besondres, denn erstens entsteht die neue Kirche an der Stelle einer alten: der zum Jvhannishospital gehörigen Johannis- kirche, und zwar ist das schon ihr zweiter, wenn nicht ihr dritter Ersatz. Die Kirche, die diesen Sommer abgebrochen worden ist, war von 1582 bis 1584 erbaut worden für eine ältere, die 1547 bei der Belagerung Leipzigs im schmalkaldischen Kriege verwüstet worden war; aber auch diese hatte wahrscheinlich schon eine Vorläuferin gehabt. Zweitens aber hat man von der jetzt abgebrvchnen Kirche den Turm stehen lassen. Dieser war erst 1746 bis 1749 angebaut worden, natürlich in den Baufvrmen seiner Zeit, und da er wohl erhalten und ein sehr charakteristischer und gefälliger Ban ist, so soll nun jetzt umgekehrt die Kirche an den Turm gebaut werden, und natürlich in den Baufvrmen des Turms. Leipzig wird also in seiner neuen Johcmuislirche eine Varockkirche erhalten, und zwar einen Putzbau mit Sandsteineiufassungen, nach dem Einerlei der gothischen Backstcinkirchen der letzten Jahre eine sehr erwünschte Abwechslung.
Nun ist der Kirchhof um die Johanniskirche und hinter der Johannis- kirche der alte Begräbnisplntz Leipzigs. Die vorderste Spitze, die eigentliche Umgebung der Kirche, ist zwar schon 1850 sükulnrisirt uud als „Jvhnnnis- Platz" dein freien Verkehr tibergeben worden, nur ein einziges Grab hat mau damals unangetastet stehen lassen: das Grab Gellerts. Der zunächst dahinter liegende Teil ist 1883 zu Parkanlagen umgestaltet morden. Aber eine weiter sich anschließende dritte, vierte und fünfte Abteilung besteht noch jetzt als alter Johanniskirchhof. So ist denn auch beim Abbruch der Kirche und beim Grundgraben zu dem Neuball, der eine bedeutend größere Fläche bedecken wird als die alte Kirche, also seine Grundmauern überall in die Grüberreiheu des alten Kirchhofs hinabstreckt, eine Unmasse menschlicher Gebeine zu Tage gekommen (unter der Kirche allein über achthundert Schädel), die natürlich cm andrer Stelle wieder der Erde übergeben wordeu sind. Da hat man sich denn die Frage vorgelegt: Sollten wir nicht diese Gelegenheit — viel-