Religiöse Studien eines iveltkindes 65
wollender und gottesfürchtiger Monarch zu vergönnen bereit ist, wenn sie sich gehorsam regieren lassen. Wer sich aber an diesem Ideal nicht genügen läßt und dvch auch das sozialistische nicht für das richtige hält, den snchen wir — das ist unsre zweite Absicht — zum Nachdenken darüber zu bringen, ob nicht die Behauptung, die Zeiten des Selfgovernment seien ein für allemal vorüber, vorschnell ist; ob es nicht noch Mittel und Wege giebt, sie, natürlich in zeitgemäßer Form, wieder herzustellen. Wir suchen also jene Revolution der Ideen anzubahnen, von der Lothar Bucher sagt, daß ohne sie keine politische Revolution zur Wiederherstellung der Freiheit führen könne.
Religiöse Studien eines Weltkindes
ch habe, wie ich mit einiger Befangenheit gestehe, für Bücher manchmal einen sehr willkürlichen nnd unlogischen Eintcilnngs- grnnd. Ich scheide sie dann nicht nach dem Gebiete, das sie behandeln, nach der Etikette, die man ihnen anheften mnß, nm sie in den Schubfächern der Wissenschaft oder der schönen Litteratur reinlich unterzubringen, sondern einfach darnach, ob sie etwa an einem stillen, behaglichen Sonntagnachmittag gut zu lesen sind oder nicht; ja iu euier jener tadelnswerten Anwandlnngen, wo wir die Stufen der Rangordnung für etwas besseres ansehen nnd ungehörigerweise verallgemeinern, habe ich diesen Sonntagskindern der Buchdruckerknnst sogar das oberste Brett in meinem Bücherschrank eingeräumt. Da stehen sie nuu buut durch einander, die religiösen und die „heidnischen," ihr Herzschlag ist so verschieden wie ihr Kittel, und doch erscheinen sie mir, wenn ich sie mustere, in eiuer schöueu Uniform, nnd der Geist, der mir aus ihnen entgegenkommt, gehorcht für mich demselben Kommando. Aber diese Worte sind vielleicht unvorsichtig gewählt. Denn mancher, der sie liest, könnte mich darnach für einen jener geistigen Reserve- Leutnants halten, für. die alles nach einem unantastbaren, heiligen Reglement geht, die mit den eignen und mit fremden Gedanken wie mit Rekruten exer- Airen und es mit dieser Kompagnie vielleicht zu ganz korrekten, aber nie zu bedeutenden Vorstellungeu bringen, die noch schlimmer sind als der schlimmste wirkliche Neserveleutnant, für den das bürgerliche Leben mir ein Anhängsel seine Uniform und sein Dasein als Mensch nur ein latentes Dasein als Leutnant ist. Also nicht aus solchem Geist heraus sehe ich die Garde, die A mir für den Sonntagnachmittag eingestellt habe, in gleichem Schritt und ^r>tt einhergehen; sie gehorcht aus eigner Natnr demselben Klänge, jenen Grenzboten IV 1894 »