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Wie es Lothar Bucher eigentlich gemeint hat
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Wie es Lothar Bucher eigentlich gemeint hat

olitische Irrtümer aufdecken ist ein undankbares Geschäft. Die Partei, die aus dem bloszgestellten Irrtum Nahrung gesogen hat, grvllt dem Zerstörer ihrer Illusion, bringt ihn, wenn er ihr an­gehört, als einen gefährlichen Ketzer in Verruf und fährt fort, den Irrtum zu lehren, als ob nichts vorgefallen wäre. Die Gegenpartei triumphirt, spielt den aufrichtigen uud unterrichteten Mann gegen seine Parteigenossen aus, unterschlügt aber von seinen Enthüllungen und Be­weisführungen, was ihr nicht paßt, uud mißbraucht ihn so zur Stützung eines Systems, das er vielleicht noch mehr als die Irrtümer seiner Parteigenossen verabscheut.

So ist es Lothar Bucher ergangen. Er hat die landläufige Meinung vom englischen Parlamentarismus zerstört. Das hat ihm viel Schimpf und Schande eingetragen, der Sache aber, die er verfocht, bis auf den heutigen Tag noch nicht viel genutzt. Die Linksliberalen stellen sich den englischen Parlamentarismus heute noch so vor wie ihre Väter vor vierzig Jahren. Die Rechtsliberalen haben wenigstens so viel gelernt, daß die Engländer die Politik als ein einträgliches Geschäft behandeln, oder genauer gesagt, als Mittel für Geschäftszwecke, und sie haben sich beeifert, anch so praktisch zn werden. Die Konservativen aber haben ihre andächtigen Zuhörer und Leser belehrt, daß der Parlamentarismus durch Buchers Enthüllungen gerichtet und demnach der monarchische Absolutismus die einzige vernünftige Regierungsfvrm sei, wobei dann, je nach der Schattirung des konservativen Blattes, bald der an­gestammte gnädige Herr, bald der Landrat als das geeignetste Organ erscheint, dnrch das die von oben stammende Gnadenfülle des Hauptes den dummen und eigensinnigen Unterthanen nnverdienterweise zuströmt.

Bucher hat es nun aber gerade umgekehrt gemeint. Nicht deswegen ver­wirft er den englischen Parlamentarismus, weil dieser den Monarchen und die Büreaukratie einschränkt, sondern weil er in England dasselbe Unheil au­gerichtet hat, wie der Absolutismus auf dem Festlande: als einen Zerstörer der Volksfreiheit haßt er ihn. Soeben ist sein berühmtes kleines Buch: Der Parlamentarismus wie er ist in dritter Auflage erschienen (bei Karl Krabbe in Stuttgart). Darin liegt denn doch eine dringende Aufforderung,