Beitrag 
Zur Naturgeschichte des preußischen Geheimrats
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Zur Naturgeschichte des preußischen Geheimrats

11

sich die Entwicklungsreihe von der Welt des Verstandes, des philosophischen Begriffs über die Welt der Anschauung und der künstlerischen Ideen zu den religiösen, den universellen Ideen vorzustellen, wie er will, ich halte nur daran sest, daß die Menschheit das Bedürfnis hat, sich einen Ort zu schaffen und zu erhalten, wo Profanes in jedem Sinne nicht hinkommen darf. Ist etwa das Theater dieser Ort, kann es das werden? Wie der Sonntag nicht abzu­schaffen ist (man hats ja versucht), so sind auch die Kirchen nicht abzutragen. Man versuche es nur! Gewiß, das Profane tritt trotzdem in die Kirchen, nicht bloß die Gemeinde, die Priester und Prediger selber tragen es hinein, aber herrschend kann es darin nicht werden. Noch immer sind, wenn die Zeit erfüllt war, die großen und starken Menschen erschienen, die das Heilig­tum reinigten, und sie werden auch in Zukunft nicht ausbleiben. Wir wollen ihnen, fo gut wir es können, die Stätte und die Herzen bereiten.

Zur Naturgeschichte des preußischen Geheimrats

Berlin XV, im Oktober ^SHH

ein lieber Freund! Das also ist die einzige Entschuldigung wegen deines fast nennmonatigen Schweigens: die geistreiche Ausrede, du hättest nicht gewußt, wie die Adresse deines Briefs an mich abzufassen sei! Als du im Frühjahr auf deinem Spaziergange nach Syrakus gekommen, sei dir dort zufällig in einer alten deutschen Zeitung, die du in dem behaglichen Lesezimmer der <ÜA8g. 1?o1iti ge­funden, unter denAmtlichen Nachrichten" mein Name in die Angen gefallen; es sei dir noch erinnerlich, daß ich, wie du gelesen, zu irgend einem Geheimen (?) Rat ernannt worden, was aber in meine Adresse hineingeheimnißt worden sei, habest dn leider vergessen. Noch heute sei dir das geheim, denn raten lasse sich das nicht, die büreankratische Hierarchie sei dir ein Buch mit sieben Siegeln, du wüßtest'nicht einmal, ob mein neuer Titel mit drei, vier oder noch mehr Wm ' '^schreiben sei, und wenn du alle Bedenken beiseite setzend, ein­fach an den Geheimrat denn das sei ich doch schon seit Jahren adres- siren wolltest, so erhebe sich wieder vor deinem Geiste der Zweifel, ob dieser nach der alten oder der neuenOttografie" mit oder ohne Spiritus zu schreiben sei. Und darauf gründest du nun das Verlangen, ich solle dir kurz und klar sagen, was denn eigentlich dieser Titel bedeute, welche Spielarteu dieses Genus habe, wie es entstehe, wachse und vergehe; kurz, du mühest eine vollständige Naturgeschichte des preußischen Geheimrats!