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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Litteratur

Wie wunderlich sich solche Vorschläge in einem Buche cmsnehmen, das eigent­lich der Rechtfertigung des Kapitalismus nnd der Bekämpfung des Sozialismus gewidmet ist, darauf soll hier kein Gewicht gelegt werden. Weit mehr fällt mir der Umstand auf, daß eiu Mcnm, der denMotivationsprozeß" so gründlich unter­sucht hat, den Sozialismus als kulturfeindlich bekämpfen und das Daseiu der Sozialdemokratie als ein Unglück beklagen, aber in einem Atem damit Vorschläge machen kann, deren Verwirklichung niemand als die Sozialdemokratie, unterstützt von andern oppositionellen Parteien, durchsetzen könnte. Um der schönen Augeu oder Beweisführuugeu irgend eines noch so kapitnlistenfreundlichen Schriftstellers willen werden die reichen und großen Herren, die dieKlinke der Gesetzgebung" in der Hand haben, niemals ein Gesetz machen, das ihnen auch uur den aller­geringsten Verzicht auf Besitz, Einfluß, Macht oder Annehmlichkeiten auferlegte. Für alle dergleichen Vorschläge sind sie stocktaub, so lange bis die erste Million oppo­sitioneller Wähler voll ist; auf deren Stimme fangen sie dann an zu horchen, hören aber anfangs noch falsch, bis die Opposition ihre vierte, fünste und sechste Million voll hat. Wären die Hochmögenden nicht schon durch die Arbeiterpartei gezwungen worden, ans dergleichen Dinge zu hören, wenn sie auch vor der Hand noch falsch hören, so könnten wir alle: die Kathedersvzialisten, die Grenzboten, die Christliche Welt, die Herren vom Evangelisch-sozialen Kongreß nnd auch Herr von Hartmann uns unsre Predigten ersparen, es wären Predigten sür Fische.

Übrigens bestätigt Hartmauns Polemik gegen die Sozialdemokratie das Urteil, das ich bei einer frühern Gelegenheit gefällt habe, daß er zwar den Menschen sehr genau, die Menschen aber desto schlechter kennt. Er kennt weder die Sozial­demokraten, noch die Arbeiter im allgemeinen, noch ihre Lage in der Gegenwart und Vergangenheit. U. I.

Litteratur

Ausgewählte plattdeutsche Erzählungen von John Briukmaun. Zwei Bände. Fünfte Auflage. Rostock, Will,, Werthers Verlag, 1L94

Seitdem Fritz Reuter und Klaus Groth durch ihre Werke das Interesse für plattdeutsche Dichtungen in allen Teilen Deutschlands wachgerufeu, uud seitdem sich in manchen größern Städten sogar plattdeutsche Vereine gebildet haben, ist anch die Nachfrage nach Dichtungen dieser Muudart immer stärker geworden. Um so wunderbarer ist es, daß den Freunden des Plattdeutscheu lange Zeit ein Dichter verborgen bleiben konnte, der sich würdig neben Fritz Reuter und Klaus Groth stelle» darf. John Brinkmann, ein Rostocker Kind, zuerst Jurist, dann Philologe, dann Weltbummler, Hanslehrer uud schließlich Lehrer tu Güstrow, wo er gestorben ist, hat eine große Menge plattdeutscher Dichtungen verfaßt, aus denen in der vorliegenden schön ausgestatteten Ausgabe die besten zusammengestellt siud.

Der erste Band enthält die prächtige Erzählung: Kasper-Ohm un ick, in der sich Brinlmanns dichterische Begabung am deutlichsten offenbart. Man kann die Geschichte ein Seiteustück zu Reuters Stromtid nennen. Während bei Reuter mit Vorliebe der Landmann uud das Laudlebeu dargestellt werden, hat John Brink­mann mit köstlichem Humor die Leute von derWasserkant," die alten Schiffer­originale gezeichnet. Solch ein Original ist auch der Kapitän Pott, der Ohm,