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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Der Geheimrat grüßte und ging langsam hinaus, während ihm die andern schweigend nachsahen. Dann bestellte sich jeder von ihnen noch ein Glas Pnnsch. Es war ihnen bei der Geschichte doch etwas kalt geworden.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Die Ordnungsanarchie. Was hat doch die Kaiserrede für Unheil angerichtet! Die „Ordnungsparteien" benehmen sich seit Jahren jämmerlich, aber der Anblick, den sie seit vierzehn Tagen darbieten, erregt eine Empfindung, die zwischen Mitleid und Ekel liegt. Tagtäglich bläst die Norddeutsche Allgemeine ihre Alarm- trompete, um alle Mcmn zum Kampfe gegeu die Sozialdemvkratie zu sammeln. Kreuzzeitung und Germania aber rufen vereint: „Was? so unverschämt verdreht ihr Offiziösen den Sinn des Kaiserworts? Mit Atheisten, Wotansanbetern, Juden, Freimaurern, Wucherern uud Bauspekulanten sollen nur uns Verbünden? Ans dem Kampfe, den der Kaiser gemeint hat, dem Kreuzzuge der Gläubigen gegen die Ungläubigen, der sich zu allererst gegen die nugläubigen Professoren wenden müßte, macht ihr einen Kampf der Besitzenden gegen die Besitzlosen, der keine andre Wirkung haben könnte, als auch vollends noch unsre armen Schäflein, die wir bis jetzt vor der Ansteckung durch kommunistische Ideen behütet haben, den Sozialdemokraten in die Arme zu treiben? Daraus wird nichts! Wenn die Losung nicht, wie beim Schulgesetzentwurf des Grafen Zedlitz, lautet: hie Christeutum, hie Atheismus — oder Liberalismus, was dasselbe ist — so sind wir nicht dabei!" „Wirklich dumm" nennt die Germauia den Feldzugplau der Norddeutschen Allgemeinen, nnd in der Kreuzzeitnng, die um nichts höflicher gewesen war, klagt ein Konservativer, Pindters Nachfolger werde viel zu rücksichtsvoll behandelt. Auf der Linken aber fragt höhnisch ein vielgelesenes Blatt, welcher Adel denn eigentlich die Führung übernehmen solle in dem Kampfe: ob auch der ultramvntcme, der welfische, der polnische, der freireligiös-egidyanische, der sozialdemokratische und der verbnmmelte mitthun solle, oder ob bloß der in Ostelbien grnndcmgesessene protestantische gemeint sei, der seit zwei Jahren wie besessen gegen die Regierung tobt? Die mittcl- parteilichen Blätter endlich, die schon seit Carnots Ermordung nach einer „erlösenden That" der Regierung geseufzt uud verheißen haben, „das ganze deutsche Volk" werde mit Begeisterung folgen, wenn die Regierung nur mutig vorangehen wolle, verlangen jetzt stürmisch darnach und erinnern täglich die Negierung mit heftigem Schelten an ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, eine feste Hand zu zeigen, die die Kindleiu vertrauungsvoll ergreifen könnten. Und was erwidert Pindters Nachfolger? „Eine andre Thatkraft, als die sich in Rufen nach der Regierung erschöpft, kommt nicht zum Vorschein. Gleichwohl besteht Kämpfen nicht im Zusehen, und die parlamentarische» Schlachten werden nicht in Königsberg, sondern in Berlin ausgesuchte«. Es kauu also keinem Zweifel unterliegen, daß der Kaiser an eine aktivere Rolle des Adels nnd des Bürgertums in dem Kampf gegen