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Der verrückte Flinsheim :
(Fortsetzung)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Ich werde dennoch ihre Seele von der sündigen Lust abkehren und für den Himmel retten, sagte er.

Da begann eine dumpfe Glocke zu läuten. In einer Viertelstunde sollte ich in der Kirche sitzen.

(Schluß folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Wieder ein Bekehrter. Der Mmm des neunzehnten Jahrhunderts kann nicht anders, wenn er nicht gar zn einfältig ist, er muß, Heraklit und Demokrit in einer Person, dem Weltwirrwesen mit einem zürnenden und einem lachenden Ange zuschauen. Fällt aber sein Blick auf den Liberalismus, dann laugt das eine Auge nicht, dann muß er mit dem ganzen Gesichte lachen; ist es doch unmöglich, beim Anblick der kläglichen Figur, die dieser Himmelsstürmer heute macht, und in der Erinnerung an seine flotten Jugeudjcchre eiu gewisses derbes Sprüchlein ans dem Kopfe zu kriegen, dessen letztes Wort Betschwester heißt. Ob sich Mcizzini, als ihn Crispi als Urheber der LosungMit Gott für König und Vaterland" pries, im Grabe umgedreht hat, oder ob die alten Revolutionsmänner im Jenseits die zeitgemäßen Wandlungen ihrer ordengeschmückten und hochbesoldeten diesseitigen Kampfgenossen mit durchmachen, können wir nicht erraten, da uns diemediumistische Veranlagung" gänzlich abgeht. Gott soll uns bewahren, daß wir der Religion oder einer wirklichen Bekehrung spotten! Wissen wir doch, daß die christliche Re­ligion alle sozialen Fragen lösen würde, wenn sie vorhanden wäre. Namentlich in Italien liegt der Zusammenhang zwischen der Gottlosigkeit uud den sozialen Wirren ans der Haud. Nehmen wir an, Crispi hätte alle Landräuber, Bankdiebe, spitzbübischen Lieferanten, Inhaber von Sinekuren samt den für die ganze Wirt­schaft Verantwortlichen Ministern, Beamten und Deputirten zusammenberufen, die Herreu sänken auf ihre Kniee nieder und beteten:Herr, wir bekennen, daß wir gegen dein heiliges Gesetz in allen Stücken schwer gesündigt haben, überschwer gegen die Gebote der Gerechtigkeit und der Liebe, daß wir die Hölle des reichen Prassers zehnfach verdienen, denn wir haben nicht allein den Lazarus vor uusrer Thür liegen lassen, sondern wir selbst haben das italienische Volk erst zum Lazarus gemacht. Wir geloben, daß wir das Geraubte, Gestohlene und Ergaunerte zurückerstatte» und in Zukunft nicht mehr rauben, stehlen und betrügen wollen. Wir geloben, daß wir die Kosten der Panzerschiffe, der Karabiner, der Federbüsche und der Kasernen nicht mehr den armen Bauern und Landarbeitern auspressen wollen, denen es gleich- giltig ist, ob sie im Namen eines Bourbouen oder eines Habsburgers oder eines aus dem Hanse Scwoyen oder eines gekrönten Priesters geschunden werden, sondern daß wir selbst, die wir die Ehre und den Glanz und den Vorteil davon haben, diese Dinge bezahlen wollen. Wir geloben, daß wir nicht mehr wie bisher die himmelschreiende Sünde begehen wollen, unsern Arbeitern den verdienten Lohn vor­zuenthalten oder zu kürzen, sie zur Überarbeit zu zwingen, ihre Frauen und Kinder zu mißhandeln wie kaum der abgetriebne Gaul eines rohen Fnhrknechts gemiß-