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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Zwei Wunder. 32 evangelische und 100 katholische Vereine treten zu­sammen und schließen einen Bund, und das nur zwanzig Jahre nach den Hunds­tagen des Kulturkampfs, und das in der schwärzlichen Gegend, wo die Fuscmgel und die Thümmel gedeihen! Wenn das nicht ein Wunder ist, dann giebts keine Wunder. Nicht eine alte Reliquie des Herrn Kornm hat dieses Wunder gewirkt, sondern ein jungesLebewesen" Lindwurm oder was es sonst sein mag. Tau­sende von Bergarbeitern, sagte der Bergmann Brust, der am 26. August die Ab- geordnctenversammlung in Essen eröffnete, ans der ein Gewerkverein christlicher Bergarbeiter gegründet werden sollte,tansende von Bergarbeitern stehen vor einem Abgrunde, es bedarf nur eiues Anstoßes, daß sie der Sozialdemokratie verfallen. Dieser Gefahr will der zu begründende Verband vorbeugen, denn ein Anschluß an die Sozialdemokratie bedeutet gleichzeitig einen Abfall von der christlichen Re­ligion." Wer sollte sich nicht herzlich freuen darüber, daß sich endlich einmal die dnrch das Evangelium entzweiten brüderlich die Hand reichen zum gemeiusamen Wirken im Geiste des Evangeliums, und daß es zu eiuer Arbeiterbewegung kommen soll ohne die leidige Zugabe des Hasses gegen dieBourgeoisie," den Staat und die Religion! Doch ist das zunächst nur eine Hoffnungsfreude. Die Vereins- gründuug ist zwar beschlossen, aber noch nicht vollzogen, und noch weiß man nicht, wie sich die zwei Pferde am Wagen vertragen werden, nnd wer der Kutscher seiu wird.

Wie weit sich die Hoffnungen verwirklichen werden, die wir gern auf die Neugründung setzen möchten, das hängt von mancherlei Umständen ab. So z. B. fragt es sich, ob die Teilnehmer zum Geiste von 1. Kor. 13 durchgedruugeu und überzeugt sind, daß der Glaube ohne die Liebe nichts wert und die schönste Predigt oder Streitschrift, die nicht von der Liebe beseelt wird, nur ein tönendes Erz und eine klingende Schelle ist; in diesem Geiste würde der neue Verband großes wirken. Geben aber die beiden Parteien den Groll, den sie bisher gegen einander gehegt haben, nicht auf, sondern wollen ihn bloß einstweilen, bis der ihre Häuser be­drohende Brand gelöscht sein wird, im Herzen verschließen, uud gedeukeu sie dann wieder über einander herzufallen, so werden sie einander schon in die Haare ge­raten, ehe die gemeinsame Löscharbeit beginnt, und Nr. 3 des Statuteuentwurfs: Religiöse und politische Parteipolitik Apolitische Politik!^ ist ausgeschlossen," wird sie nicht daran zu hindern vermögen. Brust selbst hat sich einen enragirten Zen- trumsmaun genannt; das klingt nicht eben nach 1. Kor. 13. Dann fragt es sich, wie lange uud in welchem Umfange die Mitglieder in Beziehung auf den positiven Vereinszwcck einig bleiben. Daß es sich bei der Gründung nicht etwa bloß um die Bekämpfung der Sozialdemokratie handeln könne, das wurde unzweideutig aus­gesprochen; darüber sind sich die Gründer klar. Sie haben sich gesagt: wenn wir nicht den Bergleuten dasselbe bieten wie die Sozialdemokraten, dann laufen sie eben in hellen Haufen zu diesen über; also der negative Zweck kann nur durch Erstrebung des positiven erreicht werden, und dieser fällt eben mit dem der Sozial­demokraten zusammen. In der That enthalten, auch die fünf Puukte, die als Ziel der Vereiusthäligkeit aufgestellt wurden, nichts andres als die Forderungen des sozialdemokratischeu Bergarbeiterverbandes. Nur in einem Punkte haben die Einberufer der Versammlung abschwächen zu solleu geglaubt. Brust bemerkte, es sei die achtstündige Arbeitszeit gefordert worden, doch da die Bergbehörde der-