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Der Zug nach dem Norden
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Der verrückte Flinsheim

Ein gewaltiger Geist bestimmt seine Zeit, und er selbst wird wieder durch seine äußern Lebensumstände geleitet. Darum darf man Wohl der Frage einen Augenblick nachdenken, was geworden wäre, wenn Goethe bei einer andern Richtung seines Lebens in den Bahnen seines Jngendgenvssen Herder weitergegangen wäre. Oder war es nicht vielmehr sein für alle Zeit ent­scheidender Blick, der ihm sagte, daß hier nichts großes mehr zu finden sei? Herder hat nichts ganzes geschaffen. Seine Anregungen, die nach so vielen Orten hinweisen, mögen ja auch auf dem Gebiete, das uns hier beschäftigt, noch der oder jener Ausgestaltung fähig sein. Nordische Balladen und Lieder sind nach ihm entstanden und werden weiter entstehen. Aber das sind alles Einzelklänge. Eine Stoffwelt oder ein Ideenreich, das den Wert einer dich­terischen Weltanschcmung hätte, ist nach allem, was die Litteraturgeschichte lehren kann, hier nicht mehr zu erobern.

Der lehrhafte Pfad kritischer Betrachtung endigt leider gewöhnlich nicht mit dem erwünschten interessanten Ergebnis. Niemand ist es darum zu ver­denken, wenn er die lustige Fahrt ins Blaue vorzieht. Nur soll er sich des­wegen nicht für einen Entdecker halten, weil ihm selbst auf seiner Reise das meiste neu vorkommt. Alle Gegenstände erscheinen ja groß, wenn wir davor stehen. Aber wir sind nicht einmal sicher, ob das, was wir jetzt bei so uahem Abstände uns bemühen als zusanunenhüngende, allgemeine Erscheinung zu fassen, einer künftigen Zeit, die uns selbst wieder später beobachtet, als geistige Bewegung überhaupt auch uur wahrnehmbar sein wird.

Dresden Adolf Philippi

Der verrückte Flinsheim

von Lharlorte Niese

einer der Herren, die nachmittags in der Weinstube saßen und Punsch tranken, wußte soviel Geschichten wie der alte Geheimrat, und keiner erzählte sie so gut. Aber er war nicht immer in mit­teilsamer Stimmung. Besonders in seinen letzten Lebensjahren konnte er lange schweigend und anscheinend teilnahmlos vor seinem Glase sitzen. Dann durfte ihn niemand anreden, und wer es dennoch ver­suchte, der that es auf eigne Gefahr und mußte sich auf eine höfliche, aber kühle Abweisung gefaßt machen. Die Stammgäste, lauter alte, pensionirte Herren, kannten aber seine Eigenheiten und achteten sie. Wenn der Geheimrat