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glaublich rasch verallgemeinert und vergrößert. Wenn aber der Mann so ist, daß die Frau vvr ihm Achtung haben, daß sie zu ihm aussehen kann mit dem Gefühl: auf der Seite ist die Aufrichtigkeit und die Ehrlichkeit, die strenge Pflichttreue und Selbstlosigkeit, der Schutz und die Hilfe für die Schwachen, die Arbeit und das Streben für die höchsten Güter des Lebens, kurz, wenn sie durch ihu an „Freiheit, Mäuuerwürde, an Tren und Heiligkeit" glauben lernen kann, dann wird sie sich auch selber die Ziele nicht hoch genug stecken können, um einem solchen Manne zu genügen.
Gabriele von Bülow
von Adolf Stern
enn im letzten klaren Abendlicht die Berge erglühen, dann werden regelmäßig auch einige Spitzen deutlich sichtbar, die man bis dahin gar nicht gesehen oder doch nicht beachtet hatte. Je mehr wir uns dem Ende unsers Jahrhunderts nähern, um so sehnsüchtiger geht der Blick der unbefangnen, von dem Taumelkelch der jüngsten Tage nicht berauschten, nach dem großen Höhenzuge der Kultur und des geistigen Lebens am Ausgang des achtzehnten und am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts zurück und freut sich der Erscheinungen, die man aus einer in mehr als einein Sinne reichern, in jedem Sinne glücklichern Zeit kennen lernt. Zn besondrer Genugthuung gereichen uns dabei die Menschengestalten und Menschenleben, die von der Weltanschauung und Bildung jener Tage getränkt, doch der mittlern Höhe des Daseins angehören, die Zeitgenossen und unmittelbaren Nachkommen der großen Denker, Dichter und Künstler, die uns vergegenwärtigen, wie belebend, erhebend und wahren innern Wert fördernd die Gesamtatmosphüre jener Zeit gewirkt hat. Denn darauf kommt es für die Gesaintbeurteilung einer Zeit doch wesentlich an, daß wir die Wirkung der großen Bestrebungen und Leistungen auf die empfangenden, genießenden Naturen zu schätzen vermögen, daß uns Lebensgeschicke vorgeführt werden, die vhue Anspruch au die Nachwelt, in den Pflichten des Tages verlaufen nnd doch von der Sonne des unvergeßlichen Zeitalters bestrahlt worden sind. Von wirklicher Bedeutung können dabei natürlich nur die Menschen sein, die das Beste der damaligen Bildung in sich aufgenommen hatten. Gefüllt sich eine gewisse Art von Goethephilvlogie darin, des Dichters Jenaische Schreiber und Karlsbader Gastwirte ausfindig zu mache» nnd zn behandeln, so muß es andern