Beitrag 
Zur Frauenfrage
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Wandlungen des Ich im Zeitenstrome 41)5

mit dem Blick das Ganze umfaßt, dein werden hie und da einzelne Kleinig­keiten entgehen, aber es werden nicht die sein, in denen sich die Bedeutung des Ganzen am lebendigsten ausgeprägt hat. Wäre es wirklich so schlimm, wenn unsre Madchen etwas weniger Geschichtszahlen, etwas weniger Namen nnd Vokabeln und Regeln in ihre Köpfe zwängten, und wenn ihnen statt dessen das Herz dafür aufginge, welchen Wert auch ihr eignes armes, kleines Dasein für ihre Familie nnd ihr Volk, für die Menschheit nnd die Unendlichkeit haben kann nnd soll, wenn sie es recht verstehen und gebrauchen lernen? Wäre es so schlimm, wen« sie etwas weniger von den einzelnen Helden- oder Greuel- thate» dieses oder jenes alten Knaben lernten und statt dessen die große Lehre von Schuld und Vergeltung, von Wahn und Leidenschaft, von Aufopfern der Neigung an die Pflicht, von Treue und Hingebung nnd den ganzen unerschöpf­lichen Gedankcninhalt der Geschichte, wenn man sie fürs Leben zu verstehen sucht? Das giebt doch jeder zu (ich meine, die Männer vor allen): die Frau soll nicht lernen, um gelehrt zu werden, sondern nm für das praktische Ver­stehen und Überwiudeu des LebeuS ausgerüstet zu werden. Es ist ja ein himmelweiter Unterschied zwischen weiblichem nnd männlichem Lernen, ein Unterschied wie zwischen weiblicher uud männlicher Natur, weibliche» und männ­lichen Lebensaufgabe»; müßte es da nicht jedem von selbst einleuchten, daß auch der weibliche Unterricht sich von dem männlichen nicht nnr dadurch unter­scheiden soll, daß er andre Gebiete berührt, weniger Kenntnisse verlangt und nicht so gründlich ist, sondern seiner ganzen Anlage nach, indem er eine andre Methode anwendet nnd ein andres Ziel vor Augen hat? Weun Senew schon im Hinblick auf das männliche Lernen klagt: Lelrolilo, non vilg.s äisoimuL ach, was müßten dann erst unsre armen Mädchen heutzutage klagen, wen» sie eine Ahnung davon hätten, wie wenig ihnen ihre schöne Schulbildung für die großen Aufgaben nnd die Versuchnngen ihres Lebens nützen wird!

(Schluß svlgt)

Wandlungen des Ich im Zeitenstrome

2. Die erste religiöse Arisis

er beste Kunde in der Buchbinderei meines Vaters war der ka­tholische Pfarrer Klvpsch, der vor einigen Jähren als Brcslancr Domherr gestorben ist. Sein Vorgänger im Pfarramt war der spätere Fürstbischof Förster gewesen. Zwar war ich erst vier Jahre alt, als dieser von Laudeshut fort als Domprediger nach Vreslau kam, aber da ich ihn später persönlich kennen gelernt, auch in Grüssnu