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Litteratur
herrlich der Lohn- das Blatt schlägt mit der Nachricht andre Blätter um eine Nasenlänge. Und das ergreift Sie nicht? Was sollte das Blatt anders thun, als eingedenk des Spruches: „Wer hohes Muts sich rühmen knun, den lohnt nicht Gold, den lohnt Gesang," die Heldenthat in einem Heldenliede feiern? Unsrerseits erinnern wir uns keiner Geschichte von ähnlicher Große seit der von dem in den Tod getreuen Handluugsreisenden, der, als sein Schiff sank, alle seine Geschcists- empfchlungen in eine Flasche that, und diese wvhlverkorkt in den Ozean schleuderte, damit die Wilden oder wenigstens die Fische erführen, wo die beste Fleckseife zu haben wäre.
Litteratur
Dichterische Gestalten in geschichtlicher Treue. Ein Beitrag zum Verständnis der klassischen Dramen von Hugo Landwehr. Bielefeld und Leipzig, Velhagcn und Klasing,
Ein Buch, wvriu uns Fieseo, Don Carlos, Wollenstem, Maria Stnart nnd die Jungfrau von Orleans, Götz, Clnvigv, Egmont nnd Tasso, der Prinz von Hom- bnrg und Zriny einmal alle in dem reinen Lichte der Geschichte vorgestellt werden, ist gewiß willkommen. Ganz abgesehen davon, daß die Vergleichnng zwischen der geschichtlichen und der poetischen Gestalt natürlich zu einer schärfern Charakteristik beider nnd damit zu einem tiefern Verständnis der Dichtung führt, ist es ja schon an sich interessant, zu wissen, wie denn unn eigentlich der Egmont und wie denn der Fieseo wirklich ausgesehen hat, ob diese Menschen, die uns zunächst durch den Dichter vertraut geworden sind, wirklich so gewesen sind, wie sie uns die Dichtung zeigt. Daß Maß der Umgestaltuugeu Goethes uud Schillers freilich au diesen Bildern erkeuuen zu wollen, geht nicht an, denn die Geschichtsforschung hat in unserm Jahrhundert fast keine dieser Gestalten uuveräudert so bestehen lassen, wie sie Goethe und Schiller geschichtlich gesehen habeu. Dafür regt aber das Buch dadurch tiefer an, daß es einen neuen Maßstab für die Beurteilung der innerste» Verschiedenheit unsrer beiden großen Dichter an die Hand giebt, indem es die eigentümliche Art eines jeden von ihnen lehrt, sich bei der Gestaltung eines Stoffes mit der als Wahrheit überlieferten Geschichte abzufinden: Goethe behält und verwirft in sorgloser Naivität geschichtliche Züge, wie es ihm sein poetischer Instinkt natürlich erscheinen läßt, Schillers sittliche Energie baut nur das um, was sein künstlerischer Verstand für unvereinbar mit dem Wesen der Tragik hält.
Den Zriny hätten wir dem Verfasser gern geschenkt; die Lehrer des Deutschen freilich werden auch für ihn dankbar sein, so lange sich unsre Tertiauer für den Dramatiker Körner zu begeistern haben. Aber Demetrius fehlt! Wilhelm Teil ist natürlich mit Absicht beiseite gelassen worden; es hätte ja anch keinen Zweck gehabt, „dafür etwa die Geschichte der Entstehung der schweizerischen Eidgenossenschaft zu geben, die vou Tell nichts zu erzähle» weiß."
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig. — Druck von Carl Marquart in Leipzig