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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Habebald und Eilebeute. Das Bunte ist immer erfreulich. Die Köchin läuft ihm nach, die Jugend drängt sich zur Schaubude, die mit roten Lappen auf­geputzt ist, der Verlngsbuchhäudler, mit der Zeit fortschreitend und dem Vvlks- bedürfnis Rechnung tragend, zieht seinenNovitäten" Hanswurstjacken an, die ihrerseits im Schaufenster uud auf dem Vahnhofstisch die Käufer anziehen, der Neichsfechtverein, der Scnnmelverein, der VereinFidelia" und die übrigen zwanzig Vereine des Städtchens lassen die Einladungen zu ihren Winter- und Sommer- festeu entweder auf mehrfarbiges Papier drucken oder schmücken sie mit einem Herold in burgundischer Tracht, die Kunstreiter, die Menageriebesitzer zeigen ihre unwider­ruflich letzte große Galavorstellung uiemals mebr ohne packende Bilder in Bunt­druck an. Nur die Zeitungen hatten sich bisher noch nicht zum Buntdruck auf­geschwungen, höchstens, daß Blättchen untersten Ranges hie nnd da das Bildnis eines berühmten Mannes, eines Monarchen oder Ministers oder Raubmörders, in Schwarzdruck brachten, das ganze Gesicht über und über schwarz. Jetzt endlich kommt die Tagespresse, die doch an der Spitze des Fortschritts marschieren sollte, nachgehinkt. An den Straßenecken prangt ein schönes Bild: rechts ein alter Land­mann mit der Sense und ein Fuhrmann, der neben seinem Wagen auf einem Steine sitzt, links ein nerviger Meister Schmied am Ambos; neben ihm ein Brief­träger, der bedeutungsvoll auf den Hintergrnnd zeigt. Dieser Hintergrund ist einigermaßen impressionistisch gehalten sso nennt man es ja wohl, wenn der Be­schauer nicht herauskriegt, ob es eine Katze oder eine Kuh, ein Porträt oder eine Landschaft sein soll), doch spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß es eine Land­schaft mit Stadt sein soll, über der eine blutrote Sonne oder ein dito Mond auf- vder untergeht. Wahrscheinlich ist es eine Sonne, und wahrscheinlich geht sie auf, denn darüber steht iu großer Schrift:Der ausgebeutete deutsche Mittelstand muß wieder zu Krcifteu kommen," und in noch größerer, schön geschmückter Schrift: Volksrundschau, Tageszeitung für die deutschen Mittelklassen."

Die erweiterte Tägliche Rundschau ist es also, der die Zeituugspresse den jüngsten gewaltigen Fortschritt verdankt; und da gleichzeitig die erste Nummer der Deutscheu Tageszeitung, des neuen Organs des Bundes der Landwirte, auf rosa­farbnem Papier erscheint, und da beide Neugründungen schon seit Wochen in Re­klame, Abonnentenfaugtünsten uud Preisdrückerei *) das Menschenmögliche geleistet haben, nicht eben zur Erbauung der ihren Zielen an sich nicht fernflehenden konser­vativen, mittelparteilichen und Zentrumsblätter, so darf man die Judenfrage wohl für gelöst ansehen. Bekanntlich haben in Nordamerika die Juden nichts zu be- denten, weil ein Aankee mindestens zwei Juden wert ist; und nun siud wir Deutscheu auch so weit!

Wichtiger als diese psychologische und ökonomische Seite der nenen Erscheinung ist die politische; wie werden die beiden Blätter auf unsre Parteien einwirken? (Der dritten antisemitischen Gründung dieser Sauerngurkenzcit glauben wir, als einer Privatangelegenheit der Herren Ahlwardt und Böckel, keiue politische Bedeu-

*)Dabei kostet die Deutsche Tageszeitung, heißt es in ihrer Probenummer, monatlich nur 50 Pfennige, ein Preis, der den Papierpreis kaum erreicht." Im Anzeigenteile derselben Nummer wird eine Landwirtschaftliche Zeitung empfohlen, die jedem Abonnentenein nütz­liches Haus- oder Ackergerät im Werte von 3 bis 50 Mark als Geschenk" verspricht.