Die föderalistische Bewegung
in Großbritannien und seinen Kolonien
em aufmerksamen Beobachter politischer Vorgänge wird es nicht entgangen sein, daß sich mit dem Tagen der lutsreoloniiü tIoniA'öniZö, die Anfang Jnli von Vertretern der nvrdamerika- nischen, südafrikanischen und australischen Kolonien Englands zu Ottawa in Kanada abgehalten wurde, ein bemerkenswertes Ereignis abgespielt hat, das auf die Entwicklung des britischen Reichs großen Einfluß auszuüben verspricht.
Das Zusammentreten dieser Konferenz muß in der That als die erste entschiedne Kundgebung betrachtet werden, die der vollkommenen Solidarität der Kolonien unter einander, sowie der Kolonien mit dem Mntterlande öffentlich Ausdruck gegeben und den Gedanken der Reichseinheit in unzweideutiger Weise betont hat. Und somit besteht denn auch die wesentlichste von der Konferenz vollbrachte Arbeit darin, eine Meinnngsentwicklung zusammengefaßt zu haben, die sich innerhalb des letzten Vierteljahrhuuderts in Großbritannien und seinen Kolonie» vollzogen hat.
England hatte im vorigen Jahrhundert die Politik der willkürlichen Besteuerung und der herrischen Einmischung in die innern Angelegenheiten seiner Kolonien mit dem Verluste seiner amerikanischen Besitzungen gebüßt. Vor der Wiederholung dieses Fehlers hat es sich im neunzehnten Jahrhundert gehütet. Es hat sich bestrebt gezeigt, seine» überseeischen Siedlungen die vollste Selbstverwaltung zu gewähre». So haben die Kolonie» ihre eignen Volksvertretungen, ihre eignen bürgerlichen Gesetze, ihre eigne Polizei und Miliz; auch das Kirchen- und Unterrichtswesen gehört in ihren Machtbereich; und Steuern und Zolle erheben sie je nach ihren Grundsätzen und Vedürf- Grenzboten III 1894 4-Z