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Der Sozialismus der Gebildeten
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Der Socialismus der Gebildeten

apitalismus, Chartismus, Trades-Unionismus und Sozialismus sind in England, Kapitalismus, Kommunismus und Sozialismus in Frankreich, Kapitalismus und Sozialismus in Deutschland die Marksteine der wirtschaftlichen Bewegung unsers Jahr­hunderts. Der Sozialismus hat sich zugleich der demokratischen Ideen bemächtigt, er schickt sich an, für den vierten Stand nicht bloß die Teilnahme au der politischen Macht, sondern die ausschließliche Macht zu er­ringen und ist damit in allen drei großen Kulturvölkern zum Klassenkampf, zum Kampf des Proletariats gegen die besitzenden und zugleich die gebildeten Klassen geworden. Wenn man daher in neuerer Zeit mehr und mehr von dem Sozialismus der Gebildeten spricht und dabei stillschweigend unter den Gebildeten zugleich die besitzenden, wenigstens die in auskömmlichen Lebens- vcrhültnissen befindlichen Klassen mitversteht, so muß unter dem Sozialismus der Gebildeten notwendig etwas andres als jener Klassenkampf des Pro­letariats gemeint sein. Entweder gehört er zu dem Reden und Träumen der Menschen von bessern künftigen Tagen, einer eben so harmlosen als unfrucht­baren Beschäftigung. Oder man begreift darunter die Haltung der Gebildeten zu den wirtschaftlichen und politischen Forderungen des vierten Standes, eine Haltung, die auf keinen Fall feindselig ist, die aber von der kühlen, wissen­schaftlichen Prüfung bis zur warmherzigen Teilnahme an einzelnen jener For­derungen die verschiedensten Schattirungen aufweisen kann. Ginge ihr So­zialismus so weit, sich mit der Gesamtheit jener Forderungen eins zu er­kläre«, so hätte es auch bei deu Gebildeten und Besitzenden keinen Sinn mehr, von einem besondern Sozialismus zu reden. Er wäre dann eben in der alleinseligmachenden Lehre der Sozialdemvkratie mit ihrem Dogmenzwang und

Grenzboten III 1894 37