Etwas vom Handwerksmann
ir haben eine große Zahl von Mißvergnügten im Reiche. Und sie sind durchaus nicht etwa bloß unter den Großgrundbesitzern und den „Leuten ohne Aar und Halm" oder den Börsenspekulanten und den Männern mit der schwieligen Faust zu suchen. Wenn wir alle unsre Modebäder durchsuchen und sämtliche Landstraßen abstreifen, so finden wir bei weitem nicht alle die zusammen, die sich in ihrer Haut nicht wohl fühlen und folglich auf die Regierung schimpfen. Ob wir ein paar Goldstücke auf der Eisenbahn verfahren, um „manches kennen zu lernen," oder zu demselben Zweck der Pferdebahn zehn Pfennige zufließen lassen, oder lieber gar gleich da bleiben, wo wir gerade sind: Unznfriedne finden wir überall, nicht nur an allen Orten, fondern anch in jedem Stande.
Außer dem arbeitenden Proletariat, für dessen Vertreter man jetzt mit einer gewissen Ausschließlichkeit deu Titel „Arbeiter" geltend zu machen liebt — sodaß diese glauben müssen, alle andern Leute seien Nichtsthuer —, den notleidenden Agrariern und einigen andern Unterstützungsbedürftigen hat sich in neuerer Zeit namentlich ein Stand auf seine politische Bedentnng besonnen und diese sehr berechtigte Bedeutung auch stellenweise mit guter Manier verfochten. Leider wird er nur an fruchtbringendem, thatkräftigem Vorgehen gehindert dadurch, daß in seinen Reihen vielleicht noch mehr als anderswo die mit Recht so beliebte Einigkeit fehlt und er infolgedesfen schwer zu organisiren ist. Ich meine das Handwerk.
Wann und wo immer Handwerker zusammenkommen, bei den Jnuungs- quartalen oder bei großen andern Versammlungen und „Tagen," da werden zwar Reden über die Einigkeit gehalten und Toaste ausgebracht, die mindestens ebenso schon klingen wie andre Reden und Tvaste, aber — wenn der gute Handwerksmann nachher wieder nach Hause gegangen und in seiner kleinen Selbständigkeit sich selbst überlassen ist, dann hält er in engherziger Kurzsichtigkeit seine persönliche Stellung als selbständiger Handwerker und Geschäftsmann neben die des ebenfalls selbständigen „Kollegen" und „Konkurrenten" und wägt sie ab gegenüber der des großen kapital- oder pumpkräftigen „Fabrikanten" einerseits und des „Arbeiters" (Gesellen, Proletariers) andrerseits.