Die Ermordung (Larnots und das französische Heer
er Dolch Caserios hat nicht nur dem Leben des Präsidenten der französischen Republik ein jähes Ende bereitet, sondern er hat auch alle Vorbereitungen, die zu der am 1. Januar 1895 bevorstehenden Neuwahl im Gange waren, hinfällig gemacht. Daß sich die verschiednen Parteien bereits lebhaft mit der Wahl beschäftigten, war natürlich, die Kandidaten der führenden Parteien waren schon mehr oder weniger bekannt. Für den, der den französischen Verhältnissen einige Aufmerksamkeit schenkt, war es kein Geheimnis, daß man der Neuwahl diesmal mit besondrer Spannung entgegensah und ihr größern politischen Wert beilegte als sonst; man hielt es für möglich, daß der neue Präsident eine eingreifendere Rolle spielen würde als Carnot. Wenn sich dies auch zunächst auf innere sozialpolitische Fragen und Verhältnisse bezog, und wenn es namentlich die sozialdemokratische Partei war, die von einer in ihrem Sinne ausfallenden Wahl auf eine Stärkung ihrer Macht und ihres Einflusses hoffte, so setzten doch auch andre Parteien große Hoffnungen auf den bevorstehenden Präsidenten- Wechsel, namentlich hinsichtlich einer energischen Bekämpfung der Anarchisten.
Schon bei der Wahl, die jetzt infolge der Ermordung Carnots stattgefunden hat, und zu der keine unmittelbare Agitation mehr möglich war, hieß es, daß möglicherweise Überraschungen eintreten würden. Ganz zweifellos aber wäre es zu Überraschungen gekommen bei der verfassungsmäßig in sechs Monaten vorzunehmenden Wahl. Wir glauben, gestützt auf mancherlei Beobachtungen, daß namentlich die Militürpartei und die vielfach mit ihr Hand m Hand gehende konservative Partei von einem neuen Präsidenten eine Förderung ihrer Zwecke hoffte, und daß sie jetzt bereits thätig war, für eine Persönlichkeit ihrer Farbe Propaganda zu machen. Außer den allgemeinen Partei- forderungen möchten wir als solche Zwecke besonders folgendes hervorheben:
Grenzboten III 1394 31
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