Litteratur
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gleichen, sondern daß der Vorteil meistens den Nachteil überwiegt, da das Einkommen der meisten Geschäftsleute steigt.
Die Kegelbrüder. Wie wenig unsre Tagespresse zum Teil ihre Aufgabe begreift, hat fich wieder recht deutlich einem Ereignis wie dem Dresdner Kegelbrüderkongreß gegenüber gezeigt. Eine gute Presse müßte das Volk zu sich emporheben, wie ein guter Lehrer den Schüler; unsre schlechte Presse aber steigt zu ihm herab nnd schmeichelt seineu niedrigen Neigungen und seinem schlechten Geschmack. Man läßt sich ja viel gefallen: man läßt sich die Schützenbrüderfeste gefallen und die Radfahrerkongrcsfe; man läßt sich auch gefallen, daß Sieger in Radwettfahrten und Distanzläufen in den illustrirten Zeitungeu abgebildet werden wie Männer, die sich wunder was für Verdienste um die Nation erworben haben. Aber daß Zeitungen, die für anständig gelten wollen, spaltenlange ernste, ja begeisterte Berichte bringen über einen deutschen Kegelbrüderkongreß, das lassen wir uns nicht mehr gefallen. Wir haben nicht das geringste gegen das Kegelspiel; es ist ein harmloses und gesundes Vergnügen. Es aber zum Gegenstand und Mittelpunkt eines nationalen Bundes mit alljährlichen Wauderversammlungen zu machen, das ist ein Zeichen von geistiger Verflachimg uud Versumpfung, die tief bedauerlich ist. Aus welchen Kreisen stammen denn die Herren? Man sehe sie sich nur an, weuu sie, kindisch aufgeputzt, ihre Droschkennmfahrtcn machen! Da habt ihr unsre Bourgeoisie! hörten wir einen vorübergehenden Arbeiter der gaffenden Menge zurufen. Begreift man denn gar nicht, daß solche Vercmstaltnngen nur Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie sind?
Litteratur
Jean Paul nnd sein- Bedeutung für die Ge-Mwart. Von vr. xbil. Joseph Mittler.
München, vr. H. Luueburg. 1394
Als Knabe hat der Rezensent dieses Buches einen Mann gekannt, der Jean Paul für den größten deutschen Dichter erklärte und der festen Ansicht war, seine Werke würden die von Schiller nnd Goethe überleben, vr. Müller geht bedeutend weiter. Er beginnt mit einer Betrachtung, gegen die vom Grenzbotcnstandpunkte aus nichts einzuwenden ist. Persönlichkeit, das müsse die Losung der Zeit werden. "Die Persönlichkeit ists. die ein extremer Intellektualismus, wie ein flacher Naturalismus so lauge mißachtet hat. weil sie sich nicht in Formeln und Begriffen ausdrücken läßt weil ihre Werte sich nicht in Marktpreisen angeben lassen, weil hier das Geheimnis des Daseins am tiefsten sich offenbart. Ohne Persönlichkeit weder Kunst, noch Religion, noch echte eigentümliche Wissenschaft! Lernt wieder leben!" Zur Ausgestaltung einer kraft- und lebensvollen Persönlichkeit seien Vorbilder nötig. Anch das lassen wir noch gelten. Dann aber heißt es weiter: „Wer 'st nun der Held, an dem das deutsche Volk als ein andrer Antäus sich verjüngen könnte, der ihm zur Befreiung aus einem schattenhaften, ideenlosen Dasein hilfreich ^e Hand böte? Jean Panl ist der Mann."