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Marie Necmder
der hat zu diesem Kennzeichen herzlich wenig Vertrauen. Die Schauspieler haben sich auch eine schöne Ausrede zurecht gemacht, sie behaupten, sie bedürften beständig der Aufmunterung, um in ihrer Kunst nicht zu erlahmen. Das ist die albernste Phrase, die Dummheit und Eigendünkel je in die Welt gesetzt haben. In der Blütezeit des „Deutschen Theaters" zu Berlin gehörte es dort nicht zum guten Ton, viel Lärm zu machen, weil kein Darsteller für den Beifall durch Verbeugung oder Erscheinen vor dem Vorhang danken durfte. Ich habe nicht bemerkt, daß die Leistungen darunter auch nur im geringsten gelitten Hütten. Und ich bin überzeugt: wenn der Beifall überall mit mehr Maß gespendet würde, sodaß er nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme bildete, die Komödianten würden ihre Kunst bedeutend ernster und würdiger auffassen. Auch die Kritik in der Presse sollte sich die geschmacklose Lobhudelei von Einzelleistungen abgewöhnen. Tadel ist ein viel wirksamerer Sporn als Lob, und gerechter Tadel läßt den Künstler nimmer ermüden in der Selbst- erziehuug. Aber wenn eine Berühmtheit ältern oder neuern Datums in Sicht ist, da werden in der Presse die vollen Weihrauchfüsser angezündet und mit einem Fanatismus geschwenkt, daß einem ehrlichen Manne schon vorher die Augen beißen. Ja, wenn die reisenden Virtuosen ihr großes „Können" noch in den Dienst einer großen Kunst stellten! Aber was sind das für Stücke, die sie um einzelner Rollen willen künstlich am Leben erhalten! Und wie viele Rollen sind es, mit denen z. B. Haase und Possart nun schon seit Jahrzehnten in Deutschland herumziehen!
(Der Schluß im nächsten Hefte)
Marie Neander
Novelle von Btto Verbeck (Fortsetzung)
etzt komm erst mal her, Sophie, sagte der Doktor und zog die Alte an der Hand zu Marie. Sehen Sie, das ist unsre gute alte Hausunke, unsre „Altata," die haben wir damals aus Zürich mitgenommen, als ich mir meine Frau holte. Sie war dort schon im Hause gewesen, als Preneli auf die Welt kam, und hat dann geheult wie ein Schloßhund, als es hieß: der „wüschte" Mann holt uns das Kind weg. Da haben wir ein Bündel aus ihr gemacht, haben sie ins Gepäcknetz gelegt und mit nach Berlin genommen. Und da war