Litteratur
Gottsched und Flottwell, die Begründer der Deutschen Gesellschaft in Königsberg. Festschrist zur Erinnerung an das 150 jährige Bestehen der Königlichen Deutschen Gesellschaft zu Königsberg in Preuszeu. Von Dr. Gottlieb Krause. Leipzig, Duncker und Humblot, 1893
An den Namen Cölestin Christian Flottwell knüpfen sich fnr die Universität Königsberg zwei Ereignisse, die sich bald nach 1700 an verschiedueu deutschen Universitäten abgespielt haben und nicht ohne Bedeutung für die Geschichte unsers Nationalgefühls sind: Flottwell hat die Gründung einer ordentlichen Professur für deutsche Beredsamkeit in Königsberg durchgesetzt, und er hat eine deutsche Gesellschaft dort gegründet. Beides hat man ihm nicht leicht gemacht, zumal um die „Profefsion der deutschen Beredsamkeit" ist heftig gestritten worden. Dem Professor der lateinischen Eloqnenz, einem gewissen Kowalewski, der nebenher auch deutsche Beredsamkeit lehrte, konnte man zwar vorwerfen, daß er „der deutschen Sprache nicht völlig mächtig wäre," aber die philosophische Fakultät, die Gegnerin Flottwells, verteidigte ihren Schützling Kowalewski so hartnäckig, daß Flottwell erst nach vielen vergeblichen Auläufeu an das Ziel seiner Wünsche kam. An demselben Tage, am 18. August 1743, setzte Friedrich der Große die ersehnte deutsche Professur eiu und verlieh er der jnngen deutschen Gesellschaft das Privilegium, sich eine „königliche" zu nennen: damit war für Flottwell die Möglichkeit gesicherten dauernden Weiterarbeitens an den von Gottsched gesetzten Aufgaben gegeben.
Flottwell war weder ein hervorragender Charakter noch ein bedeutender Kopf; er war ein Streber, und wie sehr er in unbedingter geistiger Abhängigkeit von Gottsched stand, hat er in seiner ganzen öffentlichen Thätigkeit gezeigt, bei seinem Wirken für die „gereinigte Bühne," bei der Gründung und Leitung der deutschen Gesellschaft und in seinem wisseuschaftlicheu Berufe. Überall ist es der weitblickende nnd thatkräftige Gottsched, der nicht nnr anregt, sondern oft mit entschiedner Hand orgcinisirt, was die Königsbergcr vornehmen sollen. Seine gewaltthätige Art, auf geistigem Gebiete oft verurteilt, hat ihn als praktischen Agitator und Organisator doch groß gemacht. Fast lutherisch klingt es, wenn er Flottwell einmal zuruft: „Die Gewalt thun, reißen das Himmelreich zu sich. Nur des Königs Geburtstag mit einer Rede gefeyret! 8g.uionti Wt!" Auch Reklame verschmäht er nicht; auf die Nachricht von einem neuen kleinen Fortschritt der Gesellschaft mahnt er Flottwell, nicht zu vergessen, „denselben wacker auszuposaunen." Und wir wollen es ihm heute nicht vergesse», daß er sich als Organisator immer deutsche Ziele gesteckt hat. Er enipfiehlt das Studium vaterländischer Geschichte znr Belebung des Natioualstolzes; alle, die alte deutsche Geschichte läsen, hofft er, würden „mit Eifer auf die Ehre ihrer Nation erhitzet werden." Er wünscht eine Geschichte der Königsberger Professoren nnd ihrer Schriften, „tun zu zeigen, daß man in Preußen seit 200 Jahren nicht geschlafen habe." Er überschickt eine „höchst garstige französische xikeo" mit den entrüsteten Worten: „Solche abgeschmackte grobe und nn- flätige Dinge fängt itzo der französische Witz an hervorzubringen: sodzß auch Euleu- spiegel und Claus Narr vor dreyhundert Jahren nichts unflätigeres gesagt und gethan haben. Gott ehre mir doch den deutschen Witz nnd die deutschen Sitten!" Er wehrt deutschen Männern das Studium der Kunst im Auslande: „Es ist einmal Zeit, daß man aufhöre die Ausländer durch unsre Reisen zu ihnen stolz zu machen;