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Das Börsenspiel
terminlich gehandelt werden. Der Terminhandel von Papieren „per Ausgabe" — wenn er überhaupt vorkommt — wird wohl nur auf Schwindel hinauslaufen. Jedenfalls wird sich aus dieser Art, den Terminhandel nutzbar zu machen, kein dringendes wirtschaftliches Bedürfnis dafür ableiten lassen. Glücklicherweise sind auch heutzutage unsre deutschen Staaten nicht mehr genötigt, wegen Unterbringung ihrer Anleihe!? die Börse in Anspruch zu nehmen. Sie können sich mit Vertrauen an die Kapitalkraft des deutschen Volkes wenden.
Weiter wird für den Terminhandel angeführt, daß er wesentlich zu einer richtigen Preisbildung sür die terminlich abhandelten Gegenstände beitrage. Es ist aber durchaus nicht ausgemacht, ob das richtig ist. Unsre Börsen- kundigen sind darüber, wie wir gesehen haben, sehr verschiedner Meinung. Schließlich wird jede dieser Meinungen auf ein unbestimmtes Dafürhalten hinauslaufen. Die Preisschwankungen an der Börse sind sowohl in ihrer Erscheinung als in ihren Gründen völlig unberechenbar. Unzweifelhaft trügt mitunter der Terminhandel zu diesen Schwankungen bei. Die Kommission, die es in ihrem Berichte gleichfalls im allgemeinen als ein Verdienst des Terminhandels rühmt, daß er die Preisbildung sichere, hat uuvvrsichtigerweise an andrer Stelle ein Zeugnis gerade in gegenteiliger Richtung abgelegt. Unter den Gründen, weshalb sie für die Warenbörse eine Negisterführung vorschlägt, ist auch der Grnnd, daß die Warenbörse in höherm Maße eines Schutzes gegeu Beunruhigung und Fälschung der Preisbildung bedürfe. Also doch!
Aber selbst angenommen, die an der Börse abgeschlossenen Difserenzgeschüfte seien geeignet, auf die Preisbildung günstig einzuwirken: könnte denn das einen Grund abgeben, sie aufrechtzuerhalten, wenn andre gewichtige Gründe entgegentreten? Die Preisbildung ist ja niemals wirtschaftlicher Selbstzweck, sondern sie ist die natürliche Folge des gesunden Verkehrs. Mögen doch die, die an der Börse ernstlich Geschäfte machen, damit auch für die Preisbildung sorgen. Daß aber andre, die nur spielen wollen, für diesen Zweck ihre Haut zu Markte tragen sollen, das ist doch zuviel verlangt. Wir wünschten nur, daß einmal einer unsrer Börsengelehrten an ein von der Börse abgeschlachtetes Opfer heranträte und zu ihm die Trvstesworte spräche: „Du hast mit deinen leider mißglückten Spekulationen doch einem höhern wirtschaftlichen Zwecke gedient. Du hast die Preisbildung gefördert und dazu beigetragen, das Wellengekräusel der Börse zu erhalten." Wir möchten wohl hören, welche schöne, aber wohlverdiente Antwort er bekäme!
Ein beliebter Grund, mit dem man den Terminhandel verteidigt, ist noch der, daß man sagt: der Kassahandel sei als Spekulationsmittel ebenso schädlich wie der Terminhcmdel; und wenn der Terminhandel beseitigt werde, so würde in gleicher Weise im Kassahandel spekulirt werden'. Dieser Verteidigung ist durch die Umsrage entschieden der Boden entzogen worden. Die große Mehrzahl der Sachverständigen, darunter selbst solche, die dem Terminhandel