Marie Neander
Novelle von Gtto verdeck (Fortsetzung)
!Ür die Unterhaltung war von jetzt an gesorgt. Der kleine Ungar taute immer mehr auf. Nur schade, daß Mariens Interesse an seinem vergnügten Gesprudel nicht in gleichem Maße zunahm. Auge und Ohr irrten wiederholt bedenklich ab. Ans I dem allmählich lebhafter gewordnen allgemeinen Stimmengewirr tauchte in kurzen Absätzen der wohlbekannte Klang von Webers Stimme ans. Er unterhielt sich angelegentlich mit Toni, und aus dem nachdenklichen Ausdruck ihres Gesichts ließ sich entnehmen, daß es sich um kein alltägliches Geplänkel handeln konnte. Wie gern hätte sie zugehört! Aber neben ihr das magyarische Zündhölzchen - wenn er nur wenigstens eine Pause gemacht hätte! Er vergaß sast das Essen.
Nehmen Sie etwas von den Hühnern, Herr Nmneti, das ist eine Force meiner Freundin. Und dann achten Sie einmal ans meinen andern Nachbar. Das hätten Sie vorhin sehen sollen. Er prvbirte den Lachs, winkte dann seiner Frau und rief halblaut: Luise, iß, 's ist gut!
In diesem Augenblick erhob sich die spitze Nase der Frau Hermann ans dem eben vom Diener dargebotenen Glase Rotwein. Moritz, hauchte sie heiser herüber, trink, 's ist gnt! Nvmeti krümmte sich vor Vergnügen.
Jetzt muß ich schou Acht geben, was er mit die Hähndl anfangt.
Glauben Sie mir, glauben Sie mir! sagte jetzt Doktor Weber laut und eindringlich, während Toni wiederholt den Kopf schüttelte.
Was ist denn, was soll sie glauben? rief Marie hinüber, froh, ein flüchtiges Endchen des Fadens erhascht zn haben.
Höre nur! — Toni wies achselzuckend mit der Hand auf ihre» Nachbar —. hex Herr Doktor meint, man würde mit seinem schlechten Gewissen leichter fertig, als mit seinem schlechten Rufe.