Wandlungen im englischen Unterhause
Aus Tondon
er in der Parlamentssitzung vom 27. Juli vorigen Jahres dem wilden Hin und Her von Schmähreden und Faustschlügen bei- gewohnt°hat, die plötzlich in die Debatte über die Homernlebill hineinrcgneten, dem wurde recht handgreiflich vor Augen geführt, welche Wandlung sich seit den Tagen Pitts und Cnnuings. Sir Robert Peels und Palmerstous iu dem Wesen uud Charakter des englischen Unterhauses vollzogen hat. Welcher Gegeusatz zu der staatsmnnnischen Ge- schäftsmnßigkeit, der Würde und Vornehmheit der Parlamentarier vergangner Glanzperioden! Wenn man auch eine so gröbliche Verletznng der Ordnung, wie die erwähnte, einem ausnahmsweise heftigen Ausbruch der politischen Leidenschaften zuzuschreiben geneigt ist, so bleibt sie doch immer bezeichnend für das Sinken des parlamentarischen Tones; lärmende Unterbrechungen, persönliche Ausfälle und unziemliche theatralische Demonstrationen als Ausdruck kleinliche» Parteigrolls sind leider im Unterhause, das andern Volksvertretungen früher als Muster würdevoller Haltung galt, schon durchaus zur Gewohnheit geworden.
Eine der unwürdigsten Kuudgebungen dieser Art ereignete sich vor uicht langer Zeit, als „Black Nod" — der Kammerherr mit dem schwarzen Stäbe — nach herkömmlichem Gebrauche mit der altehrwürdigen Botschaft im Hause der Gemeinen erschien, daß „die Lords, die dnrch Verfügung Ihrer Majestät beauftragt sind, die königliche Genehmigung der von beiden Häusern auge- nommnen Bills kundzugeben, dieses ehrenwerte Haus ersuchen, im Hause der Pmrs zu erscheinen, um der Verlesung der Verfügung beizuwohnen." Der Wortlaut der Ankündignng und die damit verbundne Zeremonie sind seit Jahr^
Grenzten III 18S4 7