Beitrag 
Der grüne Heinrich
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

Marie Neander

Formfehler darin; das alles schon vor dem Erscheinen vorauszusehen und mit diesem gemischten Bewußtsein noch daran schreiben zu müssen, war ein Fege­feuer, welches nicht jedem zu gute kommen dürfte heutzutage." Keller ist es in Wahrheit zu gute gekommen, uud bekanntlich ist ihm denn auch in dem fruchtreichen Herbst seines Dichterlebens vergönnt worden, dem Roman seiner Jugend eine erneute und die bleibende Gestalt zu geben, der nur einzelne schöne und tiefe Seiten der ersten Fassung geopfert worden sind.

Marie Neander

Novelle von Vtto Verbeck 1

Uten Abend, sagte Marie Neander, als sie eine halbe Stunde vor der festgesetzten Zeit den hübschen, hellen Salon ihrer Freunde betrat. Da bin ich. Nun wollen wir in oorxors ein bischen Vorrat gähnen.

Was fällt dir ein, du ungezognes Mädel! Komm, setz dich her und sei vernünftig.

Das ist viel verlangt. Sie schmiegte sich lachend in den weichen Sessel, nachdem sie die Falten ihres schlichten schwarzen Sammetkleides glatt an sich heruntergestrichen hatte. Wie kommt ihr überhaupt dazu, mich zu einer Ab­fütterung einzuladen? Ich habe nämlich die ehrenwerte Frau Stadtrat ge­troffen. Das Drum und Dran für heute Abend kann ich mir also vorstellen. Da wird eine nette Menagerie zusammenkommen. Seht ihr wohl? Ihr seid entlarvt!

Und Sie sind ein verzognes Prinzeßchen. Wissen Sie das? sagte Bern­hard Lange. Sie verdienen den interessanten Nachbar gar nicht, den Ihnen Toni zugedacht hat.

Wer köunte das sein? Nur keinen Ehemann! Entweder ist er noch vom holden Wahn befangen, dann ist er ungenießbar; oder er ist schon aufgewacht, und daun danke ich dafür, Blitzableiter zn spielen. Ein sonderbarer, beinahe häßlicher Zug von Spott überschattete dabei flüchtig ihr hübsches, weiches Gesichtchen und raubte ihm vorübergehend allen Jugendschimmer.

Halb so wild, mein Engel! sagte Toni abwehrend. Du kennst doch den Nmneti?

Den kleinen Geiger, den ungarischen?