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Der Wunderglaube und der heilige Rock in Trier
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Der Wunderglaube und der heilige Rock in Trier

von einem Katholiken

ls vor einigen Jahren das Gerücht auftauchte, daß der Bischof Korum den sogenannten heiligen Rock in Trier zur Verehrung für die Gläubigen auszustellen beabsichtige, da schüttelte wohl mancher in der Erinnerung nn die letzte Ausstellung von 1844 den Kopf und glaubte zu der Annahme berechtigt zu sein, daß sich am Ende des neunzehnten Jahrhunderts eine ähnliche Erscheinung nicht wiederholen könne, da der Wunderglaube in Deutschland, wenn mich nicht erloschen, so doch höchstens noch in den ungebildeten Kreisen des Volks, namentlich der Landbevölkerung, anzutreffen sei. Wie werden diese Leute überrascht gewesen sein bei der Kunde, daß ein hoher Würdenträger der katho­lischen Kirche, der Bischof Korum selbst, aktenmäßig Thatsachen festgestellt haben will,") an deren wundermüßigen Charakter zu glauben zwar, wie er selbst bemerkt, niemand zu glauben verpflichtet ist, die er aber doch selbst für Wunder hält und ausgiebt.

Wer freilich mit den Kreisen des katholischen Volkes Fühlung hat, der wird bemerkt haben, daß der Wunderglaube im Volke, und nicht nur in seinem ungebildetem Teile, iu den letzten Jahrzehnten zugenommen hat. Die Ursachen davon sind nicht fchwer aufzufinden. Zunächst hat der Kulturkampf die Leute enger aneinandergeschlossen, namentlich den Klerus näher an die Massen gebracht und der nichtultrnmontauen gebildeten Gesellschaft zum großen Teil ent­fremdet. Dann ist die Ausbildung der Geistlichkeit noch einseitiger geworden als

Wunder und göttliche Gnadenerweise bei der Ausstellung des heiligen Rockes zu Trier im Jahre 1891. Aktenmäßig dargestellt von I)r. M, Felix Korum, Bischof von Trier. Trier, Druck und Verlag der Panlinus-Drnckerei.

Grenzboten III 1894 1