schwarzes Bret
Wir bitten unsre Leser mn Verzeihung, wenn wir noch einmal auf die „Konservative Korrespondenz" zurückkommen. Wir können es nicht vermeiden, weil die Korrespondenz eine Antwort auf unsre Zurückweisung an die Zeitungen versendet, und wir nur diesen Ort zur Erwiderung haben. Sie sagt:
Die Grcnzbotcn bchonpten in den: geschmackvollen Tone, der der Göhrcfchcn Schule cigcn ist, wir hätten uns „Schmähungen," „Lügen" nnd „Verleumdung" in unserm „gereizten" Angriffe uns ihre Hetzereien gcgeu die Großgrundbesitzer bedient. Die genannte, einst so geachtete Wochenschrift bcstreitct nämlich, daß sie nm Abonnenten bettle, und daß ihr Leserkreis abnehme. Unsre Behauptung, daß die „Grciizbotcn" zu einem niedrigen Hetzblatt- hcrabgcsuukcn scicu, bcstreitct daS Blatt vcgrcislichcrwcisc nicht. Was nun das „Betteln" nm neue Abonnenten angeht, so glanbcn wir uns doch nicht so ganz nnzntrcffcnd — freilich wohl etwas scharf — ausgesprochen zu habcu. Um die Jahreswende nämlich enthielten die „Grcnzbotcu" in auffällig fettem Druck die bei gntsituirtcu vornehmen Organen ungewohnte (?) Aufforderung an ihre Frcuude, „auch diesmal recht cifrig für die Verbreitung der Grcnzbotcu zu wirkn, überall in ihren Kreisen, wo sie bis jetzt noch nicht gelesen werden, darauf aujmerlsam zu machen, auch in dcr TagcSprcssc daraus hinznwciscn." Dann hcißt cS in dcm stolzen Bcwnßtscin dcr „scnsationcllcn" Wirkung der von uns charattcrisirtc» Artikel weiter: „Die Grcnzbotcu sind gerade in dcr letzten Zeit wieder so vielfach in der TagcSprcssc genannt worden, daß u. s. w." Wir nennen das „nm Abonnenten betteln"; doch die Grcnzbotcn mögen ja dafür cincn andcru Ausdruck wissen. Wenn das Blatt wirklich, wie cS behauptet, von Vierteljahr zu Vierteljahr an Abonnenten znnimmt, so gönnen wir ihm diesen Erfolg: wir wissen jedoch, daß dic Grcnzbotcn in konscrvativcn .Kreisen mit Vollcut Rechte fast nicht mehr gehalten werden, weil sie seit ihrer Vcrguickung mit deu Herren Göhrc, Rade u. f. w. eine destruktive (I) Tendenz zeigen. Schade nm dic Grcnzbotcn; gerade in der hcntigcn Zeit hätten sie bei vernünftiger Haltung in dcr Judcusragc und in dcr Agrarfrage eine ganz bedeutsame Rolle spiclcu können.
Gegei: die Verleumdung, das; die Greuzboten zu einem niedrigen Hetzblatt heiabgesnnken seien, brauchten wir nns nicht anders zu verteidigen, als das; wir die K. K. öffentlich dcr Lüge ziehen; wie sie mit der Wahrheit umspringt, zeigt ja auch die andre aus der Lust ge- griffne Behauptung, die sie ausstreute, daß der Leserkreis der Grcnzboten fortwährend sinke Dasselbe zeigt wieder die Faselei von „Göhrescher Schule" und „Berguicknng mit den Herren Göhre, Rade u. s. w.": diese Herren haben, obwohl sie Frennde des Grenzbotenverlegers sind und mit ihm auf andern, Gebiet in Verbindung stehen, schlechterdings nichts mit den Grenz- boteu zu thun. Die K. K. wird durch ihren blinden Eifer von einer Albernheit zur andern geführt.
Wir würden den Angriff gar nicht beachtet haben, wenn die K. K. nicht eben eine „Korrespondenz" wäre, d.h. eine Nachrichtenquelle für andre Blätter, die sich auf ihre Ehrenhaftigkeit und Zuverlässigkeit verlassen. Nun vermuten wir, daß die K. K. mit ihrer ersten gegen die Grenzboten gerichteten Notiz nur hiueingesallen ist. Dann war es aber vernünftiger und anständiger, ihren Einsender zur Rechenschaft zu ziehen, als sich durch den Abdrnck der oben wiedergcgebnen Phrasen noch mehr mit ihm zu verquicken. Nuu wollen ivir ihrem „Schade" gegenüber nicht nnliebenswnrdig sein, sie also unsrerseits nicht ganz mit ihrem Einsender identifiziren; wir wollen ihr aber sagen, daß wir die uns zugetraute „bedeutsame Rolle" allerdings zu spielen gedenken und nach wie vor am Jahresschluß unsre Frennde und Leser bitten werden, uns dabei zu unterstützen. Dabei wird es sich dann, wie bisher, weniger um den uns ja stets erfreulichen Abonnentenzuwachs, als um die Verbreitung der gesunden Anschauungen handeln, die in den Greuzboten vertreten werden. Ferner mochten wir ihr aber sagen, daß ein Blatt, das Hunderten von andern Blattern als Quelle dienen soll, also eine unter Umständen ganz gewaltig aussprießende Saat streut, doppelt verpflichtet ist, gewissenhaft zu prüfen, ob das, was ihm zugesandt wird, der Wahrheit entspricht. Der Herausgeber der Korrespondenz konnte sich leicht überzeugen, ob der Angriff auf die Greuzboten berechtigt war, und der Ton der Notiz hätte ihn stützig machen sollen. Daß sich die Grenzboten