Litteratur
Neue Atlanten. Seit Ende vorigen Jahres erscheint in 17 Lieferungen E. Debes Neuer Handatlas über alle Teile der Erde in 59 Haupt- und weit über 100 Nebenkarten (mit alphabetischem Namensverzeichnis). Im Jahre 1895 wird er vollendet sein. Zwölf Karten liegen uns vor und versprechen ein schönes, gediegnes Werk. Der Atlas wird weniger reich als der Stielersche, der au der Spitze bleibt, aber vollständiger als der Andreesche sein, den er an wissenschaftlicher Originalität und an Schönheit übertrifft; er wird auch nur halb so teuer als der Stielersche und etwas teurer als der Andreesche sein. Mau kaun also diesmal mit Recht von der Ausfüllung einer Lücke sprechen, denn das neue Werk stellt sich mitten zwischen die beiden ältern, vereinigt einige ihrer Vorzüge und fügt eigne hinzu. Am höchsten stellen wir die Verbindung der wisseuschnft- licheu Echtheit uud Gediegenheit mit praktischen und ästhetischen Vorzügen, die natürlich zum Teil darin begründet sind, daß wir hier den jüngsten der großen Atlanten vor uns haben. Karten wie die Elsaß-Lothringens mit dem nordöstlichen Frankreich bis nach Chalous für Saöue und Orleans, oder die Westrnßlands bis Smolcnsk, oder die Ostasicns, besonders Chinas, bis nach Lhasa, sind so in keiuem andern Atlas zu finden. Dabei sind es höchst zeitgemäße Karten, weil sie auf einem einzigen Blatte Gebiete darstellen, die gerade jetzt, sreuudlich oder feindlich, entschieden zusammengehören uud zusammen überblickt werden wollen, mehr aber noch, weil sie alles Neueste bringen. Die Karte vou Ostasien ist überhaupt die beste, die wir jetzt haben. Wir haben auf den zwölf Blättern, die uns bis jetzt vorliegen, manche Gegend nach eigner Kenntnis vergleichen können, und haben überall die Zeichnung der Bvdensormen uud die Rechtschreibung der Ortsnamen tadellos gefunden. Es ist aber auch die Seite der Schönheit berücksichtigt, in der ja, besonders dnrch den Einfluß Vogels in Gvtha, die deutschen Karten besonders erfreulich fortgeschritten find. Und der angenehm lichtbräunliche Gruudton, die feine Gebirgszeichnuug uud die scharfe schöne Schrift thun auch dem Auge wohl. Weuu uus au manchen Stellen die Menge der Ortsnamen allzu groß vorkommt, an andern die Politischen Grenzen oder die Verkehrslinien das Naturbild, besonders in Gebirgsgegenden, zerschneiden oder verdecken — wir nennen z. B. die Ostküste Italiens, die Vogesen, das schweizerisch-französische Grenzgebiet im Jura — so ist das eiu Vorwurf, den wir nicht diesem Atlas, sondern der modernen Kartographie überhaupt machen. Die Kartographie muß eben doch darauf hinstreben, uus für jedes Land Doppelkarten zu schaffen, von denen eine durchscheinende die Grenzen, Wege nnd Namen enthalten uud sich genau mit ihrer Schwcsterkarte decken muß, auf der durch Bodengcstalt uud Gewässer das Naturbild des Landes eingetragen ist. Nur so kommen wir aus der Überladung heraus, die jetzt den besten Bestrebungen ans kartographischem Gebiete das Ziel verrückt und sich namentlich ans den Schulkarten in schädlicher Weise breit macht. Wenn wir endlich noch ein Wort von der gedruckten Beigabe sagen sollen, so begrüßen wir die Namensverzeichnisse dankbar, die den einzelnen Karten beigegeben sind. Die Ankündigung hätten wir etwas weniger geränschvoll instrumentirt gewünscht, denn so viel wir sehen, ist das lem Werk, auf das mit Paukeu uud Trompeten aufmerksam gemacht zu werden brauchte. Zum Schluß möge der Wuusch nach eiuer Mappe gestattet sein, in der die vom Buchhändler glücklicherweise ungebrochen gelieferten Karten schützend untergebracht