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Lorbeer : Erzählung : (Schluß). 11
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Das Publikum war starr vor Staunen. Felix spielte eine Gavotte auf seiner Geige.

Als er den Bogen senkte, trat eine tiefe Stille ein, dann brach es los wie verstärkter Donner.

Herrn Nestel wurde sehr bange. Er preßte die Haud fester aufs Herz.

Äls der Beifall schwieg und die Menge sich verlief, strömten alle den Ausgängen zu. Nur ein Herr blieb sitzen. Er saß allein noch da, als die Dienerschaft an ihre ordnende Arbeit ging. Er stand auch nicht auf, als ihn ein Diener anredete. Der Herr war tot. Die Nachforschungen ergaben, daß es der Vater des Wunderknaben war.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Evangelisch-sozial. Einer der Hanvtwortführer der Richtung, die auf dem Boden des Protestantismus einesoziale" Thätigkeit mit der Forderung re­ligiöser oder kirchlicher Interessen verbinden möchte, hat vor kurzem eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, die das Dunkel, von dem der Begriff desSozialen" als Bezeichnung der hier iu Frage kommenden besondern Bestrebungen umgeben ist, wenigstens einigermaßen aufhellen sollten. Das Ergebnis seiner Ausführungen war, daß vor der Haud nur eben ein allgemeiner, unbestimmter, aber im Einzelnen mit Macht sich ankündigendersozialer Drang" bemerkbar sei. Sollte es, an der Hand der heutigen Erfahrung, nicht doch möglich sein, das Wesen und die Rich­tung dieses Dranges näher zu bestimmen? Allerdings leicht ist die erforderte Unbefangenheit und völlige Aufrichtigkeit des Denkens dann nicht, wenn, wie es bei denEvangelisch-Sozialen" überwiegend zutrifft, die religiösen Interessenten zu­gleich kirchliche Juteressenten sind. Moltke hat einmal gesagt, die Geschichts­darstellung müsse sich hüten, leichthin an ein erworbnes Prestige zu rühren, das der Vaterlandsliebe förderlich fein könne. Er hat hier als konservativer Patriot ge­sprochen, und als solcher hat er Recht, was immer die Wissenschaft als Verehrerin der objektiven Wahrheit dagegen einwenden möge. Das Interesse der reinen Erkenntnis und das praktische des Lebens stehen hier, wie so oft, mit einander in Widerspruch.

Die Wirksamkeit der großen Institutionen, durch die die Völker geleitet und nach den Zielen der Vorsehung hingeführt werden, hängt wesentlich davon ab, daß alle, die sich im Dienste dieser das sittliche Leben bestimmenden Organisations­gebilde befinden, deren Aufgabe als eine ideale, ihre Geltung als möglichst absolute erfassen. Nicht die Macht der Kirche allein, sondern die Kraft jeder sozialen In­stitution wurzelt in diesem Glauben. Wer sich daher noch als lebendiges Glied einer solchen Institution fühlt, wer innerlich mit ihr und ihren Interessen verwachsen ist, wird instinktiv dem Bestreben huldigen, die Fackel der geschichtlichen Erkenntnis an den ihr anhaftenden Schwächen und Unzulänglichkeiten, an den Anzeichen der Unreife oder des Alters möglichst rasch vorübergleiten zu lassen. Der Gewinn an Erkenntnis würde ja in demselben Maße den Wert des Ganzen, dessen Glied er ist, und damit mich seine eigne Selbstschätzung herabsetzen.