Lorbeer,
Lrzählung von August Niemann (Schluß) 11
as freudige Familienereignis regte alle möglichen Empfindungen in der nachdenklichen Seele Herrn Nestels auf, aber nach einiger Zeit, als Jaqnenetta wieder anfing, sich um das vor langer Zeit begonnene Drama zu bekümmern, überwogen bei ihm zwei Gedankenrichtungen. Die erste bezog sich auf seinen kleinen Sohn. Das Kiud war gesund und wohlgebildet, aber sehr ernst und hatte einen ungewöhnlich großen Kopf. Das beunruhigte die Elteru und besonders den Vater. Der Arzt erklärte zwar, es sei keine Spnr von Wasserkopf, sondern im Gegenteil ein sehr ausgebildeter, vielversprechender Kopf, aber das beruhigte Herrn Nestel nicht vollständig, zumal da der Arzt hinzugefügt hatte, bei Eltern, die geistig thätig seien, komme eine derartige Entwicklung der Köpfe der Kinder nicht selten vor. Herr Nestel war besorgt.
Der andre Fluß seiner Gedanken bezog sich auf Jaquenetta, die sich seit der Verheiratung so sehr verändert hatte. Jaquenetta war nicht mehr die ruhige, praktische, heitere Frau, sondern nahm mehr und mehr das Wesen einer uuverstandnen schönen Seele an. Sie konnte stundenlang dasitzen und ihrem Manne Vvrträge über ihre Empsindnngen halten. Sie nahm das eigne Gefühlsleben unter das Mikroskop, analysirte es uud klagte darüber, daß ihr niemand die Sympathie entgegenbringe, die sie beanspruche. Dabei regte sie die Mühe um das Kind auf. Die mütterlichen Sorgen, denen sie sich durchaus nicht entzog, sondern eifrig widmete, wurden ihr zur schweren Last, und so wurden ihr ihre litterarischen Arbeiten gleichfalls schwer.
Ihr Manu bat sie oft, ganz vom Schreiben abzulassen, aber das erzürnte sie. Offenbar war sie nicht allein der Einnahmen wegen anfs Schreiben erpicht, sondern es hatte sie auch litterarischer Ehrgeiz ergriffen. Dieser Ehrgeiz stritt in ihrem Innern mit ihren mütterlichen Pflichten, denn das Kind nahm sie sehr in Anspruch. Sie stillte es selbst, sie folgte damit ihrer Überzeugung. Merkwürdigerweise fühlte sich Herr Nestel durch diesen Konflikt bei feiner Frau gehoben. Er bekam neue Lnst, zu schreiben, wenn er seine Frau in der Kinderstube wußte. Er vollendete seine Novelle von dem verachteten