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Loorbeer : Erzählung :
(Fortsetzung)
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Lorbeer

Erzählung von August Niemann (Fortsetzung)

err Nestel fügte sich, ging aber nachmittags ins Cafv und be­stellte sich einen Absinth. Er hatte früher schvn die Erfahrung geinacht, daß der Absinth etwas Beruhigendes habe, und seine Nerven verlangten uach einem Beruhigungsmittel.

Während er die Zeitungen durchstöberte und nach Kritiken seiner Werke snchte. trat der alte Schriftsteller ein, den er ein­mal nach Hause geführt hatte. Die Herren begrüßten sich und vertieften sich in ein Gespräch über den ihnen zunächst liegenden Gegenstand, die Litteratur. Der Alte war heute nüchtern.

Es ist doch sonderbar, sagte er, daß ein Denker wie Plato, der für alle Erscheinungen der Welt ein offnes, klares, wundervoll scharfes Auge hat, die Dichter aus seinem idealen Staat hat vertreiben wollen.

Darüber wundern Sie sich? Von Ihnen hätte ich das nicht erwartet, antwortete Herr Nestel. So?

Nun, Sie denken bei Ihren vielen Pseudonymen doch nicht besonders hoch von der Dichtkunst. Übrigens vermute ich, daß es Eifersucht bei Plato ge­wesen ist. Der Neidhammel sah, daß die Theater voll waren und alle Welt die Dichter verehrte, während sich um ihn kein Mensch kümmerte.

Vielleicht. Aber er beneidete die Musiker nicht, wollte sie auch nicht cms- treiben, sondern wies der Musik eiue hervorragende Stellung in der Jugend­erziehung an. Er hat darüber einen schönen Ansspruch gethan, nämlich daß dle jugendlichen Seelen durch Musik gcwöhut werden müßten, das zu lieben, was sie im gereiften Alter durch Veruuuftschluß als das Nichtige zu erkennen befähigt würden. Aber von den Künstlern, die er nachahmende nennt, näm­lich von den Malern und Dichtern, und von ihrer Kunst selbst denkt er nur gering.

Alte Zeiten! Überwnndner Standpunkt! sagte Herr Nestel, der in keiner guten Laune war.

So leicht läßt sich Plutos Ansicht doch uicht abthun, fuhr der Alte fort, Indern man sollte alle Ansichten, ob alt oder neu, hinsichtlich ihres innern wertes prüfen. Nicht als stimmte ich Plato zu, aber seine Gründe sind es wert, erwogen zu werdeu. Er sagt, man könnte die Dichter Wnndermänner