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Lorbeer : Erzählung :
(Fortsetzung)
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Lorbeer

Erzählung von Augnst Nie mann (Fortsetzung)

err Nestel arbeitete fleißig an seinem Roman, vergaß aber da­rum das Haus des Professors Mcintilla nicht. Jaquenetta hatte doch einen eigentümlichen Eindruck auf ihn gemacht. Er mußte viel an sie denken, und es war ihm, als erzeugte ihre Anwesen­heit Gedanken in ihm, wahrend er sich zugleich getrieben fühlte, ihr zu widersprechen. Denn ihre Anschauungen und ihre ganze Natur wareu der seinigen gerade entgegengesetzt. Er lobte das Huhn » lu, NlU'kng'o, zu dem er eingeladen worden war, und war bald ein Hausfreund geworden, den weder der Vater noch die Tochter entbehren mochte.

Einmal klagte Jaquenetta, daß sie mit Sorgen in die Zukunft blicke. Ihr Vater habe sie nichts lernen und in keiner Kunst ausbilden lassen. Jetzt sei sie zwar bei ihm und mache sich ihm nützlich, aber spätere Zeiten könnten sie einmal empfinden lassen, wie schwer es für eine Frau sei, durch die Welt zu kommen, wenn sie kein Vermögen habe und auch nicht imstande sei, sich etwas zu verdienen.

Herr Nestel glaubte aus diesen Äußerungen schließen zu können, daß Jaquenetta Lust habe, zu heiraten. Aber auf sich selbst bezog er ihre Pläne nicht, da er sich gar nicht für einen passenden Kandidaten hielt. Seine Existenz war viel zu unsicher, als daß er an Verheiratung hätte denken können. Er konnte zwar seine Rechnungen in der Pension bezahlen, aber weit darüber hinaus reichten seine Mittel nicht. Für seine bisherigen litterarischen Arbeiten hatte er noch nicht viel Honorar bekommen, obwohl er seit fünf Jahren schrieb und schon ein Bändchen lyrischer und satirischer Gedichte, ein halbes Dutzend Novellen und zwei Romane veröffentlicht hatte. Etwaige zukünftige Erfolge ruhten noch im dunkeln Schoß der Zeiten.

Liebes Fräulein, antwortete er daher, ich habe zu Ihren spätern Tagen unbedingtes Vertrauen. Sie werden sich immer gut zu stellen wissen.

Wieso? fragte sie. Das klingt ja sonderbar. , .

Ich meine, es ist so viel Vernunft in Ihnen. Sie sind kaum zwanzig Jahre alt, und dabei haben Sie etwas gesetztes, etwas sicheres, etwas um­sichtiges, wie ich es mir für meine Person Wohl wünschte. Sie kommen mir vor wie ein elektrisches Licht, während ich mir selbst wie ein Irrlicht vorkomme.