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Schwarzes Bret
Wahrlich naher, von dort aus den Abstecher nach dein Süden zu macheu, als erst nach Hanse zurückzukehren, dort zu heiraten uud dcmn bald uach deu Flitterwochen seine junge Frau längere Zeit allein zn lassen. Man lese nur in Nendvrfers Biographie des Bildhauers Johann Teschler nach, wie auffallend damals in Nürnberg eine solche nachträgliche Studienreise gerade mit Rücksicht auf die Ehefrau gefunden wurde. Ich gebe geru zu, daß mau auch diese Argumente ohne Mühe entkräften oder als nicht entscheidend beiseite schieben kann. Aber das läßt sich schließlich, wo die positiven Beweise fehlen, mit jedem Argument so machen. Und es kommt mir hier auch nicht so sehr darauf an, die Unmöglichkeit der ersten venezianischen Reise zu beweisen, als die Gründe und Gegengründe möglichst objektiv gegen einander abzuwägen, uud da muß ich sagen, daß ich einen vollkommen überzeugenden Beweis dafür noch immer vermisse. Im Grunde ist ja diese Frage für die Kunstgeschichte von keiner allzu großen Bedeutung. Denn mag Dürer 1495 in Venedig gewesen sein oder nicht, daß er eine bedeutende Anregung durch italienische Kuust während dieses Jahres empfangen hat, steht auf jeden Fall fest. Aber auch das steht fest, daß er trotz dieser Anregung seinen nationalen Kunstcharakter in kräftigster Weise zu bewahren wußte. Gerade die Apokalypse, in der neuerdings soviel italienische Anklänge nachgewiesen worden sind (auch der Verfasser thut das mit Glück), ist ihrem allgemeinen Charakter nach ein durch uud durch deutsches Werk. U, x.
Schwarzes Bret
ES ist kein Zufall, daß gerade in den Gebieten der Rechtswissenschaft, die am meisten von den Franzosen gepflegt worden sind, auch deutsche Juristen besser schreibe» als sonst. Die Klarheit der Franzosen ist in der That bewunderns- und beneidenswert. Desto ärger ist es aber, wenn auch auf solchem Gebiete der Ungeschmack der Darstellung nicht unterdrückt wird. Bor uns liegt eiu ueues Buch: Beiträge zur Theorie des Pateutrechts, von Dr. Heinrich Mittler ,jun. in Wien. Es ist kanm möglich, sich durch den gcwundnen, schwerfälligeil Satzbau zu deu Gedanken des Verfassers durchzuringen! Hier ein Beispiel. Mittler tritt dafür ein, daß nicht Probleme, sondern nur Lösungen von Problemen patentfähig sein solle». Dann sagt er (S. 44): „Wollte man die Frage auders entscheiden, so würde nichts leichter geschehen, als daß jemand die Idee eines anscheinend undurchführbaren Fortschritts erfaßte, eines solchen überdies, an den ihm selbst der Glaube fehlte, welchem Ausdruck zu verleihen, nur das Spiel einer kühnen Phantasie Veranlassung gab, und der trotzdem eineu gigantischen Geist anregte, mit Anspannung seiner besten, edelsten Kräfte das schier Undenkbare zu vollbringen, woraus der Zwerg, welcher zufällig den Riesen erinnerte, es harrten Berge ihrer Abtragung, sich stolz in die Brust werfen könnte unter Hinweis auf den gewaltigen Arbeitseffekt, der ihn selbst derart erschreckte, daß er seine» kleinen Körper in einer Höhle barg/'
Nur eines ist noch im Wege: daß sichs nicht um dich allein handelt, um dem Glück, dem ich jedes Opfer bringen möchte, sondern um deu Jungen, der uns beiden angehört, und den wir nicht nach einem Mosesnrtcil in zwei Stücke zerreißen dürfen. (Deutsche Rundschau, Juniheft, S. 337.)
Unsre Bibelfestigkeit fängt doch cm, recht schwach zu werden.
Für die Redaktiou verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh, Grunow in Leipzig — Druck von Carl Marquart in Leipzig