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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Litteratur

im Amt aller drei Jahre eine Wiederholungsprüfung im Schreiben durchmachen, das hülfe sicher,")

Verminderung des Schreibwerks heißt jetzt die Losung, und uicht nur bei den Gerichten. Aber wie? Ein doppelter Weg führt zum Ziele; erstens der, über­haupt weniger Schreibcbriefe im amtlichen Verkehr zu senden und zu verlangen, und dann: sich kürzer zu fassen, wenn wirklich geschrieben werden muß. Wie der Herre, so's Gescherre! Befleißigte man sich oben mehr einer knappeu Ausdrucks­weise, sähe man davon ab, der untern Stelle selbst subintelligende, sclbstverstäudige Bor­behalte oder Vorcmssetzuugeu nicht zu schenken, nun, dann würden sich auch die Mandarinen letzten Grades ein Beispiel daran nehmen uud Kürze, natürlich iu aller Ehrerbietung uud gauz gehorsamst cmstreben. Fast scheint es, als habe man bei Einführung der neuen Gerichtsverfassung die kommende Schreibflut bei den Ge­richten vorausgesehen; eiu ganzes Formularbuch erschien auf amtliche Veraulassuug, zur Überleitung gewiß ganz zweckmäßig, aber leider nicht in allen Stücken muster­haft. Wer kennt nicht die hübsche Geschichte von den zwei sich gegenseitig an­lügenden Haudlungsreisenden, wobei der den Sieg davontrug, der behauptete» sein Haus spare allein durch Weglassung der Punkte überm i jährlich zehntausend Mark. Nuu gut, wir möchten, ohne jemand anlügen zu wollen und indem wir andre Vor­schläge wegen Mangel au Beruf unterdrücken, im Ernste behaupten, daß der preu­ßische Staat eine gewaltige Menge Tinte nnd Schreibwerk (auch Druckkosten) im Jahre allein dadurch sparen könnte, daß seine Beamten, die Großen wie die Kleinen, sich abgewöhnten, statt er, sie, es regelmäßig derselbe, dieselbe, dasselbe u. s. w. zu schreibe». Zehntausend Mark wäre die geringste jährliche Ersparnis.

Litteratur

Albrecht Dürers venezianischer Aufenthalt 1494/9S von Dr. Gabriel von Terey, mit 7 Lichtdrucken. Straßburg, I. H, Ed. Heitz (Heitz & Mündel)

Eine vortreffliche kleine Stndie, deren Verfasser sich die Aufgabe gestellt hat, das den Lesern der Grenzboten bekannte Werk von D. Burckhardt über Dürers Aufenthalt in Basel (1492 bis 1494) zu ergänzen und, weuigsteus iu einem Punkte, zu berichtigen. Dieser eine Punkt ist die hypothetische erste Reise des jungen Malers uach Italien, insbesondre nach Venedig. Während nämlich Burckhardt aus der von ihm nachgewiesenen Anwesenheit Dürers in Basel zwischen 1492 und 1494

*) Wer soll aber prüfen? Und wer soll schreiben lehren? Die Kunst zn schreiben ist ja wie die Kunst zu singen unsrer Zeit ganz abhanden gekommen und muß erst wiedergefunden werden. Was in der Volksschule gelehrt und gelernt wird, ist ja eine schauderhafte Schreiberei. Man sehe sich nur an, wie die Kinder ein e machen müssen, das von einem n gar nicht zu unterscheiden ist, oder wie sie ein p machen müssen! Nun möchte ja mancher gern hinter­her noch schreiben lernen, wenn er aus der Schule heraus ist, und dazu bieten sich ja auch in den aroßl'n Städten Schrciblehrer an, sogar mit Schreibproben m öffentlich an den Straßen­ecken ausgehängten Schanknsten. Aber hat sich einmal jemand diese Schreibprvbcn angesehen? Wer die als Empfehlung betrachten kann, der hat noch nie in seinem Leben eine schöne Handschrift gesehen. Das heutige Geschlecht weiß thatsächlich gar nicht, wie schöne Schrift aussieht. D. R.