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Lorbeer : Erzählung
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und behandle denselben Stvff nach dem Geschmacke des Publikums, um Geld zu verdienen, so bin ich offenbar so sehr Herr meines Talents, daß ich als Künstler höher stehe, als wenn ich nur ehrlich verführe. Überhaupt steht ja der, der in seiner Kunst oder Wissenschaft zu lügen vermag, nämlich absichtlich zu lügen, stärker da als der, der nur die Wahrheit sagen kann. Der Alte hat sich wohl nur für seine richtige Anschauung nicht der rechten Beweisgründe bedient, obwohl er ja in der Praxis mit seinen Pseudonymen gerade diese Anschauung vertritt. Ich sollte deshalb meinen, daß der ein großer Dichter wäre, der zwar vortreffliche Dichtungen machen könnte, aber davon absähe, weil er materielle Zwecke verfolgte und solche Dichtungen verfaßte, die der Menge gefielen, sodaß er selbst dabei reich würde. Nur müßte er dabei, um sein Gewissen zu sal- viren, auch gute Dichtungen, die seiner eigentlichen Natur entsprächen, für die Nachwelt zurücklassen. Thäte er das nicht, sondern bliebe er ganz auf der Stufe desfen, was der Menge gefällt, so würde er wenigstens den Lorbeer nicht verdienen. Offenbar haben wir es beide, der alte Trunkenbold und ich, damit versäumt, daß wir die Kunst nicht von der Sittlichkeit trennten. Meine schöne Rede über das Verständnis des Publikums sür das wahrhaft Gute hätte ich mir auch sparen können, denn allerdings haben die Leute für das sittlich Gute, nicht aber für das künstlerisch Gnte den rechten Blick. Zur Ein­sicht in die Kuust gehört künstlerische Bildung. Übrigens hatte der Alte auch damit Unrecht, daß er die Dichtkunst zu einem Teile der Philosophie machen wollte. Weder zur Wissenschaft noch zur praktischen Lebensweisheit gehört die Kunst, sondern sie steht für sich da. Die Dienste, die sie der sittlichen Er­ziehung leistet, sind nur zufälliges Beiwerk, geregelt wird sie durch die ihr eigentümlichen Gesetze. Das Ziel der Knnst ist nur die ästhetische Lust, des­halb hat sie auch mit der Gesinnung des Menschen nichts zu thun. Die Hervorbringung des Kunstwerks, aus dem die ästhetische Lust hervorgeht, er­schöpft die künstlerische Thätigkeit; der Künstler selbst kann dabei ein durchaus unsittlicher Mensch sein. Aber nein, das kann er doch wohl nicht! Hier ist ein Nütsel. Die Seele, die das nötige Feuer zu großen Kunstleistnngen hat, dürste doch wohl zu edel sein, als daß sie auch auf sittlichem Gebiete etwas andres lieben könnte als das Schöne.

(Fortsetzung folgt)

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Aus Italien. Jede Kunde, die aus dem Lande der Südfrüchte und der Pellcigra zu uns dringt, bestätigt die Auffassung der dortigen Lage, die wir seit