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Karl des Großen Garten
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Gottfried August Bürger

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Aber der Stamm unsrer Gartenpflanzen reicht in der That in die Zeiten Karls des Großen zurück. Fast unverändert ist der Bestand des Kapitulars, soweit er sich als dauernd lebensfähig in deutscher Luft erwies, etwa bis zum Ende des vierzehnten Jahrhunderts geblieben. In dem darauf folgenden Zeit­alter größerer Beweglichkeit der Nationen und der einzelnen Menschen, in der Zeit der Blüte des deutscheu Handels, der ersten rasch emporschießenden Blüte deutscher Geldwirtschast, wo es dem Einzelnen auf Reisen möglich wurde, ausgedehnte Kenntnisse an Land und Leuten auch außerhalb des Reichs, ja Europas zu gewinnen, haben die schnell um sich greifende Reiselust und nicht minder die gesteigerte Beobachtungsgabe viel zur Bereicherung unsrer Flora beigetragen. Weit größer aber noch war der Einfluß der Entdecknng Amerikas auf das Antlitz nnsrer Gärten seit dem sechzehnten Jahrhundert. Neben dieser Vermehrung ging mit der znnehmenden Steigerung der Kultur und der damit zusammenhängenden stärkern Schichtung der Gesellschaft auch eine Scheidung der Gärten vor sich. Von dem Bauerngarten löste sich, nicht nur lokal, sondern auch seinem Charakter nach der Garten des Bürgers ab und ent­wickelte sich immer mehr als kleiner Ziergarten, und darüber hinaus entstanden die Schloßgärten und Parke, die im achtzehnten Jahrhundert die Wandlung von dem architektonischen französischen zu dem uatürlicheu englischen Garten gleichsam als eine Parallelentwicklung der geistigen Befreiung von französischem Formeuzwang durchgemacht haben: auch darin zeigt sich die Größe dieses Jahrhunderts, daß scheinbar so geringe Dinge wie die Anlage der Gärten das geistige Ringen der Zeit wiederspiegeln.

Gottfried August Bürger

Zu seinem hundertjährigen Todestage (>- den 3. Zum ^?c)^) von Friedrich Vüsel

eber Jubiläumsseuche und Jubiläumslitteratur ist iu letzter Zeit viel gescholten worden, und gewiß oft mit Recht. Die geschäf­tige Totenschaufel einer erbärmlichen Kalenderpietät hat oft genug Gräber aufgewühlt, über die Mutter Erde in ihrer Weisheit und alles zudeckenden Milde längst den Rasen der Vergessenheit gezogen hatte, und deren stillen Leuten mit allem Beschwörungspathos der Odem des Lebens uicht mehr einzuhauchen war. Noch öfter vielleicht aber hat kritikloser Übereifer mit seinem unsruchtbaren Phrasenschwall den bescheidnen Gedächtnishügel vollends verschüttet, der einem Braven der Vergangenheit

Grenzboten II 1894 57