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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Litteratur 4Z1

das Publikum und nicht die Schule richtete, so erfreute Strauß jedes Ohr iu jedem fröhlichen gemischten Kreise, beide sonst nicht als Höchstes verehrt. Beide gelangten bis nach Amerika uud Hindostau, während Tieck in Dresden gegen den Komiker wütete wie ein Dominienner gegen Ketzer und statt dessen Übersetzungen von Calderon uud Fonson aufführen ließ, während keine deutsche Geige, die einiger­maßen etwas auf sich hält, sich mit Walzer» vou Strauß abgiebt. Was wir ver­schmähen, gilt für unser bestes, gerade wie mancher Dichter das liebste seiner Werke, dem er alle Sorgfalt und Kraft gewidmet, verstoßen, andres, was er gedankenlos hingeworfen, mit Begeisterung aufgeuommen sieht."

Hehns berühmtes Buch über Italien ließe sich durch manche in seinen Jugend­briefen enthaltne Urteile und Anschauungen vermehren. So heißt es von der land­schaftlichen Natnr des Landes:Italiens Natur ist Plastisch, so sonderbar dies klingcu mag. Darum erscheint sie ernst, still, vegetativen Farben, organischen Be­wegungslinien abhold. Ihre Bäume sind unbeweglich und gleichen architektonischen Gebilden, die Cypresse dem Obelisk, die Pinie der Kuppel, der Ölbcmm ist metal­lischen Ansehens. Ihre Städte sind wie Krystalle dem Felsen angeschossen, auf dem fie erbaut sind, und mit ihm von gleicher Farbe, keine Singvögel, die Bäume beschnitten."

Ans der Fülle scharfer Beobachtungen heben wir das über die Neapolitaner gesagte hervor, dieeinen merkwürdigen Widerwillen gegen das Verneinen haben. Fragst dn etwas, so macht er eine Geberde, oder er steht schweigend und unbeweg­lich; kurz, drückt die Verneinnng enphemistisch ans. Nur der freie Mensch ver­neint, nur der freie zerstört, vernichtet das Objekt, freut sich des Leugnens, des Widerspruchs gegen eine Thatsache; der natürliche ist verlegen, wenn er sich wider­setzen soll."

Im ganzen zeigt Hehn in diesen Blättern eine trübe Stimmung, nur manchmal bricht sein Humor durch wie bei den unglücklichen Zöllnern, denen gegenüber er sich hartnäckig als I^ivonsss bezeichnet, worauf ihnen dann zuletzt nichts weiter übrig bleibt, als sich zu stellen, als wüßten sie, was ein Livonese ist.

Was den Druck des Buches betrifft, so ist es schon schlimm, einen Mann wie Hehn von Rittornellen (S. XIX) sprechen oder Limonien (S. 27), Pia- zetta° lS. 30), Archivescovv sS. 97) schreiben nnd aus dem Lucriner einen Lueinersee (S. 178) machen zn lassen, aber das Maß des Erlaubten wird denn doch überschritten, wenn wiederholt (S. 52, 55) aus dem berühmten Arrotino (dem Schleifer) in Florenz ein Arretino geworden ist, und die weltbekannte Chinja Neapels sich in eine Gioja verwandelt hat. Und Seite 261 liest man gar, daß eine Frau ö pÄi'torito statt xlcrtorito!

Litteratur

Handbuch der deutschen Geschichte. In Verbindung mit R.Bethge, W. Schnitze, H. Hahn, C. Kvhler, F. Großmami, G. Liebe, G. Ellmger, G, Erler. G. Winter, F. Hirsch, Ä. Klein­schmidt hemusqegeben mm Bruno Gebhardt, Umvn, Deutsche VerlagsgeseUschaft. 1893.

Zwei Bände

Die Anordnung dieses Buchs, das das Wichtigste in Paragraphen zusammen­faßt und die nähern Ausführungen und Begründungen in Anmerkungen dazugiebt,