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Neues von Wilhelm Jensen
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Neues von Wilhelm Iensen

eder Quartaner kennt Lessinas fünfte Fabel, nach der sich das edle Pferd von Zeus höhere und schmächtigere Veiue, einen langen Schwanenhals, eine breitere Brust und einen anerschaffncn Sattel wünscht, um verbessert zu werden. Zeus spricht das Wort der Schöpfung, e§ quillt Leben in den Staub, und vor dem schau­dernden nnd zitternden Pferde steht das häßliche Kamel.

Die alltägliche Moral, daß in den Dingen ein Maß liegt, das ungestraft nicht überschritten werden kann, ist im Augenblick sehr unbeliebt, mitSchul­meister- nnd Schulbubenweisheit" will das Geschlecht dieser Tage nichts zu thun haben. Schade nur, daß die einfachsten wie die tiefsten Wahrheiten bis zu deu Schulmeistern und Schulbuben herabgekommen sind, und daß schließlich doch auch denen, die mit den Hüupteru an die Sterne stoßen, nichts übrig bleiben wird als sich zu bücken und besagte Wahrheiten wieder aufzulesen.

Die neueste Kunst und Litteratur weist den Gedanken weit von sich, daß jeder Besonderheit und jedem Vorzug eine Grenze gesetzt sei, sie schafft und arbeitet mit Vorliebe nach dem Verfahren, nach dem das Pferd in der Fabel vervollkommnet zu sein wünscht. Die alte Ästhetik nannte dergleichen Manie­rismus; die neueste, nach der es keiu Zuviel giebt, und der Individualismus jede Maßlosigkeit rechtfertigt, weiß dem Dinge keinen Namen zu geben uud ergeht sich in allerhand umschreibenden Ausdrücken. Aber Manier bleibt eben doch am Ende Manier, nnd wenn sich ihr kunstzerstörender, die dauernde Gel­tung talentvoller Schöpfungen aufhebender oder lähmender Einfluß zeigt, so svll man nicht von Entwicklung künstlerischer Eigenart reden. Natürlich ist dns, was wir Manier nennen, immer eineEntwicklung," ist die krankhafte Bevorzugung und Pflege einer in ihren Ansängen meist berechtigten Besonder­heit. Die erste Wirkung der beginnenden Neigung zur Mauier pflegt eine gesteigerte, erhöhte zn sein, und hierin liegt die außerordentliche Gefahr für das Talent nnd den Künstler. Denn die Grenzlinie zwischen der natürlichen, unentbehrlichen Originalität und der Manier ist nicht bloß sehr fein, sondern auch mnnnichfach auf- und absteigend; was eine Art von Stoffen an Verstär­kung des Kolorits, nn lhrischer Lockerung der Komposition, an bloß andeutenden, uicht ausführenden Zügen ganz gnt verträgt, wird in der andern schon zur