Landwirtschaft und Getreidehandel
ie Grenzboten halte» die Erhaltung, Wiederherstellung und Vermehrung des Bauernstandes für eine der wichtigsten Aufgaben des Staats, glauben aber nicht, daß die Agitation der Plvetz und Kanitz diesem Zwecke dienen werde. In letzter Zeit siud uns uun mehrere Abhandlungen zugegangen, die sich dein agrarischen Standpunkte nähern. Unserm Grundsätze getreu, in streitigen Fragen von großer Wichtigkeit entgegengesetzte Meinungen zu Worte kommen zu lassen und so den Lesern ein selbständiges Urteil zu ermöglichen, nehmen wir drei davon ans, die sämtlich das Monopol des Getreidehandels empfehlen, begleiten sie aber mit kritischen Bemerkungen eines unsrer ständigen Mitarbeiter.
^ Aum Autrag Aauitz
Welchen Kostenaufwand erfordert die Produktion von 50 Kilogramm Roggen oder Weizeu in Mitteldeutschland nach landesüblicher Wirtschaft im bäuerlichen Betrieb auf mittlerem Boden bei dem heutigen Stande der Arbeitslöhne ohne Verzinsung des Vodenkapitals?
Es ist eine auffallende Thatsache, daß in dem heftigen Kampfe, der bei ^n Handelsverträgen zwischen den Verbündeten Regierungen und der srei- händlerischen Mehrheit des Reichstags einerseits uud der deutschen Landwirtschaft andrerseits ausgebrochen ist, der entscheidende Pnnkt von den kämpfenden Parteien nicht genugend gewürdigt worden ist. Die Streitfrage war offenbar uoch nicht spruchreif, als sie zur Entscheidung gestellt wurde. Hierdurch erhärt sich das sonst unlösbare Rätsel, daß die verbündeten Negiernngen, an deren Wohlwollen für den Hanptbernfsstand des Reiches, die Landwirtschaft, vernünftigerweise niemand zweifeln kann, von der deutschen Landwirtschaft in heftigster Weise der Vernichtung ihres Wohlstandes und ihrer Existenzbedingungen angeklagt werden und gleichwohl ans denn betretnen Wege fortfahren. Hier muß ein Irrtum, ein dunkler Punkts vorliegen, der die Ver-
^) Der dunkle Punkt ist die Übervölkerung; dunkel bleibt er, weil sich die rung und sämtliche Parteien gleichmäßig sträuben, ihu eiuzugestehen, uud so